So bestürzt ich auch bin, was den Absturz der Germanwings-Maschine angeht - eine Sache imponiert mir wirklich, und das ist die Präzision und Schnelligkeit, mit der die ganzen Hilfemaßnahmen angelaufen sind, sei es in den Dörfern rund um die Absturzstelle, an den Flughäfen in Düsseldorf und Barcelona und auch in Haltern am See. Überall an diesen Orten wurde sofort, als der Absturz bekannt wurde, damit begonnen, Hilfe zu organisieren.
Ich denke mal, dass zumindest die Flughäfen Notfallpläne haben, die sie unverzüglich bei Bedarf in die Tat umsetzen können. Auch die französischen Ordnungsbehörden werden sich so gut wie eben möglich auf eine solche Katastrophenlage in unwegsamem Gelände vorbereitet und Rettungspläne in petto gehabt haben.
Stellen Sie sich mal vor, wie übel es wäre, wenn man erst nach dem eigentlichen Unglück anfangen müsste zu überlegen, was man denn nun überhaupt zu tun hat.
Die Notfälle, die in Anwaltskanzleien anfallen, involvieren meist nicht so eine große Anzahl an Menschen. Und glauben Sie mir, darüber bin ich heilfroh. Mir ist vollkommen klar, dass sich das Leben und Arbeiten hier am Katharinenstollen nicht mit der Tragödie vergleichen lassen, die sich da am Himmel über Südfrankreich abgespielt haben muss und so viele Menschen, gleich welcher Nationalität, das Leben gekostet hat.
Trotzdem kann es sein, dass man in eine Situation kommt, in der man alle Griffel fallen lassen und die Pläne und Termine für den restlichen Tag umschmeißen muss, und es können auch durchaus mal Dinge dabei sein, die unter die Kategorie "dramatisch" fallen.
Für diesen Fall der Fälle muss man gerüstet sein. Auch im Kleinen. Sogar in einer Anwaltskanzlei.
Ich habe mir vor ein paar Jahren angewöhnt, mit Checklisten zu arbeiten, was mir die Sache wirklich sehr erleichtert. Das gilt nicht nur für die juristischen Notfälle, sondern auch für die tatsächlichen. Was muss ich machen, wenn jemand bei mir im Büro mit Herzinfarkt oder Schlaganfall zusammenklappt? Was, wenn ein rasender Ehemann vor der Tür steht, der einfach nicht einsehen will, dass seine Frau sich von ihm getrennt hat? Was, wenn der Anruf kommt, dass Staatsanwaltschaft und Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss in der Wohnung eines Mandanten stehen (das kommt durchaus nicht nur im Krimi vor)? Ich weiß auch, dass das Thema "Notfallpläne" auch in anderen Kanzleien in der letzten Zeit sehr aktuell geworden ist.
Wenn man dann noch großartig überlegen muss, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind noch tiefer in den Brunnen fällt, ungemein. Wenn man dagegen genau weiß, was zu tun ist, dann kann man vielleicht noch das Allerschlimmste verhindern. Und wenn das nicht mehr geht, dann kann man zumindest schnell helfen und läuft nicht herum wie ein kopfloses Huhn.