Montag, 30. März 2015

Kopfkino

Wissen Sie, was mich jedes Mal wieder fassungslos macht?
Ich telefoniere mit einem Mandanten. Man erläutert die Scheidung, den Verkehrsunfall, die Mietsache oder was auch immer. Plötzlich höre ich die Klospülung im Hintergrund und bekomme auch prompt die Erläuterung dazu: "Ich hatte Sie mitgenommen." 
(Wenn ich dann etwas anmerke wie: "Das hätten Sie aber nicht tun müssen" bekomme ich eine Antwort wie "Das mache ich mich meinem Steuerberater auch!")
Das kommt im Zeitalter der Smartphones tatsächlich öfter vor, als man meinen sollte. Manchmal wünsche ich mir wirklich die "gute alte Zeit" zurück, in der Telefone noch an kurzen Kabeln hingen.
Umgekehrt praktiziere ich diese Form der Kommunikation übrigens nicht. Es gibt eben Orte, an denen ich meine Privatsphäre bitteschön behalten möchte...
Außerdem bin ich sehr fantasiebegabt - mein Kopfkino funktioniert. Und gewisse Dinge möchte man vor seinem geistigen Auge einfach nicht sehen, oder?
Ist es wirklich so schwer zu sagen, "ich melde mich in fünf Minuten wieder"? 
Anscheinend schon.

Donnerstag, 26. März 2015

Kleingesisitg? Wortklauberei?

Gestern sinniere ich hier noch über Notfallpläne, und heute weiß ich, dass eine der Erzieherinnen aus meinem Kindergarten damals mit ihrem Mann unter den Opfern des Germanwings-Absturzes war. So schnell kann es gehen, dass sich die Informationslage ändert, auch dank der Gerüchteküche in Kleinstädten, die immer funktioniert. Mein Beileid an die Familie.
Schlimm finde ich es aber auch, wenn ich heute in der Zeitung den folgenden Satz lesen muss:
"Und obwohl der gebürtige Berliner ein so genannter Zugereister war, erwarb er sich durch sein Auftreten und seine Haltung gegenüber den Menschen viel persönliche Anerkennung."
Ich weiß nun nicht, ob es die Wertheraner sind, die "Zugereisten" mit einer solchen, na sagen wir mal vorsichtig, "Zurückhaltung" gegenüberstehen (was mir als Wertheranerin, die inzwischen seit Jahren in Halle wohnt, immer wieder von "Zugereisten" kolportiert wird - erst am Montag hatte ich noch eine Diskussion zu dem Thema), oder ob die Formulierung in einer der beiden Lokalzeitungen einfach nur sehr unglücklich gewählt war.
Übertreibe ich hier, weil ich einen Job mache, bei dem es in vielen Fällen auf die genaue Formulierung ankommt? Ich glaube nicht, denn Journalisten dürfte es wohl ähnlich gehen. Wir sind Profis. Die Formulierung entscheidet nicht nur darüber, was tatsächlich gesagt wird, sondern auch über die Interpretation zwischen den Zeilen. Das muss uns klar sein.
Deshalb sollte man sich auch ganz genau überlegen, welche Worte man wählt und in welchen Zusammenhang man sie bringt. Das gilt für anwaltliche Schriftsätze ebenso wie für journalistische Artikel.

Mittwoch, 25. März 2015

Notfallpläne

So bestürzt ich auch bin, was den Absturz der Germanwings-Maschine angeht - eine Sache imponiert mir wirklich, und das ist die Präzision und Schnelligkeit, mit der die ganzen Hilfemaßnahmen angelaufen sind, sei es in den Dörfern rund um die Absturzstelle, an den Flughäfen in Düsseldorf und Barcelona und auch in Haltern am See. Überall an diesen Orten wurde sofort, als der Absturz bekannt wurde, damit begonnen, Hilfe zu organisieren.
gw
Ich denke mal, dass zumindest die Flughäfen Notfallpläne haben, die sie unverzüglich bei Bedarf in die Tat umsetzen können. Auch die französischen Ordnungsbehörden werden sich so gut wie eben möglich auf eine solche Katastrophenlage in unwegsamem Gelände vorbereitet und Rettungspläne in petto gehabt haben.
Stellen Sie sich mal vor, wie übel es wäre, wenn man erst nach dem eigentlichen Unglück anfangen müsste zu überlegen, was man denn nun überhaupt zu tun hat. 
Die Notfälle, die in Anwaltskanzleien anfallen, involvieren meist nicht so eine große Anzahl an Menschen. Und glauben Sie mir, darüber bin ich heilfroh. Mir ist vollkommen klar, dass sich das Leben und Arbeiten hier am Katharinenstollen nicht mit der Tragödie vergleichen lassen, die sich da am Himmel über Südfrankreich abgespielt haben muss und so viele Menschen, gleich welcher Nationalität, das Leben gekostet hat.
Trotzdem kann es sein, dass man in eine Situation kommt, in der man alle Griffel fallen lassen und die Pläne und Termine für den restlichen Tag umschmeißen muss, und es können auch durchaus mal Dinge dabei sein, die unter die Kategorie "dramatisch" fallen.
Für diesen Fall der Fälle muss man gerüstet sein. Auch im Kleinen. Sogar in einer Anwaltskanzlei.
Ich habe mir vor ein paar Jahren angewöhnt, mit Checklisten zu arbeiten, was mir die Sache wirklich sehr erleichtert. Das gilt nicht nur für die juristischen Notfälle, sondern auch für die tatsächlichen. Was muss ich machen, wenn jemand bei mir im Büro mit Herzinfarkt oder Schlaganfall zusammenklappt? Was, wenn ein rasender Ehemann vor der Tür steht, der einfach nicht einsehen will, dass seine Frau sich von ihm getrennt hat? Was, wenn der Anruf kommt, dass Staatsanwaltschaft und Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss in der Wohnung eines Mandanten stehen (das kommt durchaus nicht nur im Krimi vor)? Ich weiß auch, dass das Thema "Notfallpläne" auch in anderen Kanzleien in der letzten Zeit sehr aktuell geworden ist.
Wenn man dann noch großartig überlegen muss, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind noch tiefer in den Brunnen fällt, ungemein. Wenn man dagegen genau weiß, was zu tun ist, dann kann man vielleicht noch das Allerschlimmste verhindern. Und wenn das nicht mehr geht, dann kann man zumindest schnell helfen und läuft nicht herum wie ein kopfloses Huhn. 

Freitag, 13. März 2015

Die Wege des Amtsgerichts sind unergründlich

... jedenfalls die Wege, die die amtsgerichtliche Post manchmal nimmt.
Da öffne ich einen Din/A5-Umschlag vom Amtsgericht Gütersloh. Und was fällt mir entgegen? Richtig - ein kleinerer Umschlag vom Amtsgericht Halle (Westf.). Überflüssig zu sagen, dass das eine eine Familiensache und das andere eine allgemeine Zivilsache ist und dass die beiden Fälle überhaupt nichts miteinander zu tun haben.
Musst ich das verstehen?!
PS: Sigmund ist immer noch da. Was haben Kohlmeisen eigentlich für eine Lebenserwartung?

Donnerstag, 12. März 2015

Sigmund, Tag 3

Er ist immer noch da.
Mit derselben unruhigen Energie wie gestern. Und vorgestern.
Ein Mandant hat mir schon sehr liebenswürdig angeboten, ihm den Hals umzudrehen (er Sigmund, nicht ich ihm), aber ich habe dann doch dankend abgelehnt. 
Noch.
Wenn Sigmund ein Mensch wäre, dann hätte ich jetzt den Punkt erreicht, an dem ich mir im Eilverfahren beim Amtsgericht eine einstweilige Anordnung geholt hätte. Außerdem hätte ich ihm - natürlich schriftlich - Haus- und Hofverbot erteilt.
Der Umgang mit Menschen ist manchmal tatsächlich leichter. Da kann ein klares Wort eine Menge ausrichten.
Leider klappt das bei Kohlmeisen nicht...

Mittwoch, 11. März 2015

Ich habe eine Meise.

Viele von Ihnen werden jetzt sagen: "Frau Schwentker, das wissen wir schon", aber das wäre nur die halbe Wahrheit.
Sie kennen meinen neuen Freund noch nicht. Download
Eine wildgewordene Kohlmeise, die seit gestern morgen meine Fensterbank von draußen belauert und sich in ruhigen Momenten über die zarten Pflänzchen hermacht, die in den Blumenkästen stehen. Dabei kratzt sie auch immer an der Fensterscheibe. Fliegt hoch und runter. Starrt mich an. Klopft mit ihrem Schnabel ans Glas. Ständig.
Und macht mich wahnsinnig dabei. Wie soll man sich dabei konzentrieren?!
Ich habe mich entschlossen, sie Sigmund zu nennen. Freud lässt grüßen.
Sigmund und ich sind jetzt an Tag 2.
Bald habe ich die Meise auch im doppelten Sinne. 

Montag, 9. März 2015

Schöne bunte Lichter - mal wieder...

Gestern Abend, 20.20 Uhr - der Tatort hatte gerade angefangen. Plötzlich draußen das altbekannte Geräusch von Blech auf Blech. 
Mal wieder. Um genauer zu sein: Zum zweiten Mal innerhalb von dreieinhalb Wochen. Wir bekommen wirklich Routine darin.
Wie es aussieht, ist es beim Blechschaden geblieben, auch wenn die bunten Lichter vor unserem Wohnzimmerfenster noch eine knappe Stunde lang Lichteffekte zauberten.
Ich hoffe mal nicht, dass sich jemand auf der Haller Kirmes zu viel vergnügt hat. Aus meiner Erfahrung an der Kreuzung hier kann ich aber sagen, dass es einfach nur eine gefährliche Stelle ist, an der halt immer mal was passiert. Auf der Theenhausener Straße ist Tempo 70, also fahren die meisten, die geradeaus wollen, mit Tempo 90, schon allein, um sich dem Verkehrsfluss anzupassen. Wenn Sie aus Richtung Werther kommen und in Richtung Halle abbiegen wollen, dann "verstecken" sich auch immer wieder Autos hinter denjenigen, die Sie von links heranrauschen sehen und die nach rechts in die Nordstraße wollen.
Glauben Sie mir, ich bin an dieser Stelle wirklich höllisch vorsichtig geworden. Ich warte lieber zehn oder meinetwegen auch 15 Sekunden länger, wenn ich dafür heile über die Kreuzung komme. Dann ist es mir auch sch***egal, wenn ich im Rückspiegel sehe, dass der Fahrer im Auto hinter mir ungeduldig wird - im Zweifelsfall sehe ich nämlich mehr als er. Auch wenn er das anders sehen mag.
Wenn ich jetzt mal richtig böse sein wollte, dann könnte ich ja mal darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll wäre, direkt an der Kreuzung auch noch ein Schild aufzustellen, frei nach dem Motto:
"Unfall gehabt? Ihre Anwältin hat ihr Büro direkt hinter Ihnen!" 

Donnerstag, 5. März 2015

Der 30. Februar

Meine Bank bucht meine Kontoführungsgebühren ja immer zum Monatsende ab. Ganz normal.
Für den Februar geschah das am 27., denn der 28. war ja ein Samstag. Soweit, so gut.
Ich guckte nur ziemlich blöd, als ich die Anmerkung sah:
Wertstellung: 30.02.15
Kann mir mal bitte jemand sagen, wie ich das buchen soll?!
In meinem Kalender habe ich jedenfalls noch keinen 30. Februar gefunden. Wissen die mehr als ich?

Mittwoch, 4. März 2015

Diese eine Episode...

Die Debatte über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist in diesen Tagen ja wieder einmal voll entbrannt. Man sollte ja eigentlich meinen, dass sich das Thema im Jahr 2015 erledigt hat, aber wenn ich die Geschichten so höre, dann könnte man fast meinen, es wäre noch schlimmer geworden.
Ich selbst bin bislang noch relativ gut bei der Sache weggekommen, wenn man denn so will. Taxierende Blicke, die meine Figur betreffen, ignoriere ich einfach oder taxiere stumpf zurück, je nach Einzelfall. Mir hat auch schon mal jemand einfach auf den Hintern gehauen, weil es ihm anscheinend ein Bedürfnis war, aber diese Szene spielte sich mitten auf einer öffentlichen Straße ab und nicht im Büro.
Es gibt nur eine Episode in meiner beruflichen Laufbahn, von der ich zuerst nicht wusste, was ich davon halten sollte:
Ich war vor einigen Jahren - ich war so 33 oder 34 - auf einer versicherungsrechtlichen Fortbildung in Wiesbaden. An dem Tag habe ich gerlernt, dass Versicherungsrecht nicht immer langweilig sein muss, denn der Dozent, eine echte Koryphäe auf seinem Gebiet, war sehr unterhaltsam.
Ebenjener Dozent, damals bestimmt auch schon an die 70, bat mich in der Kaffeepause, ihm gerade auch noch Kaffee nachzuschenken - was naheliegend war, denn ich hatte die Kaffeekanne gerade in der Hand. Bitte schön. Er bedankte sich auch herzlich - mit den Worten: "Das war das erste erotische Erlebnis des heutigen Tages." 
Politisch korrekt - bestimmt nicht. Ungewöhnlich - schon eher. Fühlte ich mich belästigt? Nicht wirklich - ich musste eher drüber grinsen. Ich bin mir aber sicher, dass andere Frauen das anders gesehen hätten.
Was die Episode hier von anderen unterscheidet, die auch ich durchaus unter "Belästigung" verbuchen würde, ist, dass hier keine Machtspielchen gespielt wurden und dementsprechend auch kein Machtgefälle ausgenutzt wurde. Deshalb besteht auch ein himmelweiter Unterschied zur klassischen immer wieder bemühten Situation, dass die Aushilfe am Kopierer plötzlich die Hand des Chefs auf ihrem Allerwertesten spürt.
Wenn tatsächlich mal jemand sich erdreisten sollte, mich an Stellen anlangen zu wollen, die über das Sozialadäquate hinausgehen, dann wird er sich von mir jedenfalls - hoffentlich - ein klares lautes deutliches "Nehmen Sie Ihre Hand da weg, die hat da nun wirklich nichts zu suchen!" hören - eins, das man auch im Nebenraum hören kann.

Dienstag, 3. März 2015

Danke, mir geht's wieder gut - einigermaßen.

Ich rufe in der Kanzlei eines Kollegen an und habe die ReNo am Telefon:
Ich: "Der Kollege hatte mir in Sachen Meier gegen Schulze bis heute eine Frist zur Stellungnahme gesetzt, die ich gerne um zwei Tage verlängern würde - ich habe wegen Krankheit den Großteil der letzten Woche nicht arbeiten können. Ist das ein Problem?" 
ReNo: "Nee, dürfte kein Problem sein - ihn hat's selbst erwischt." 
Und da ist er, wenn ich das richtig überblicke, nicht der einzige. Es ist auch auffällig, wieviele Anwaltskollegen im Moment "nach Diktat verreist" sind. Dabei ist es ja bis zu den Osterferien noch ein Stück hin...
Das ist etwas, was ich in der letzten Woche gelernt habe - wenn's nicht geht, dann geht's eben nicht. Basta. Auch nicht bei Selbst- und Ständigen. Sogar wir müssen manchmal einsehen, dass wir unsere Grenzen haben. Und es bringt auch nichts, wenn wir in maßloser Selbstüberschätzung dann auch noch unsere Mandanten anstecken...
Wer mich in den letzten 48 Stunden ans Telefon bekommen hat, der hat mir in den allermeisten Fällen einen Satz gesagt: "Oh, man hört's aber noch ganz schön; gute Besserung!"
Danke! Ich kann's gebrauchen. Und ich bin froh, dass man überhaupt wieder was hört! In der letzten Woche hatte ich Phasen, in denen ich meinen Mund aufmachte, um etwas zu sagen - aber es kam einfach kein Ton raus, erst nach heftigem Räuspern...
Eine ganz neue Erfahrung für mich! Aber in diesem Fall eine, auf die ich doch ganz gerne verzichtet hätte.
Egal - jetzt wird wieder gearbeitet.