Sonntag, 18. August 2013

Floskelalarm: "Kanzleiphilosophie"

oder: Wollen Sie einen Anwalt oder einen Philosophen? 


Machen Sie sich doch einmal den Spass und geben bei Ihrer Suchmaschine den Begriff "Kanzleiphilosophie" ein. Sie werden lustige Sachen finden.

Wenn Sie als Anwalt selbständig sind, dann müssen Sie sich wohl oder übel mit dem Thema Marketing auseinandersetzen. Es gibt auch ganze Bücher darüber, wie gerade Anwälte es schaffen sollen, möglichst viele zahlungskräftige Mandanten in ihre Kanzlei zu locken. Natürlich werden auch Fortbildungen zu dem Thema angeboten.

Und dabei hören und lesen Sie dann oft, dass man als Anwalt eine "Kanzleiphilosophie" braucht und diese auch nach außen hin "kommunizieren" soll, am besten über die eigene Homepage, damit jeder potentielle Mandant sie sehen kann.

Das führt dazu, dass viele Kollegen sich hinsetzen und versuchen, wohlklingende Worte zu finden, um dieses vermeintliche "Erfordernis" zu füllen. Diese wohlklingenden Worte werden dann in Schachtelsätze gepackt, die sich mindestens über vier, besser noch fünf Zeilen hinziehen. Oft werden auch Zitate von Goethe oder sonstigen klugen Köpfen herangezogen. Goethe kann ja nie schaden.

Das Dumme ist nur, dass es die wenigsten schaffen, eine Philosophie für sich zu finden, die sich von anderen unterscheidet. Unsere Berufsordnung und die einschlägigen Prozessordnungen geben uns eben ziemlich genau vor, wie wir zu arbeiten haben. Der andere Teil ist die interne Organisation, von der der Mandant nichts mitbekommt und die Anwälte ungerne nach außen tragen.

Ich habe mich entschlossen, die Kanzleiphilosophie erst einmal wegzulassen. Ganz ehrlich: Mir ist auch einfach nichts anderes eingefallen als: "Ich möchte, dass  meine Mandanten mit mir zufrieden sind, weil ich den Job gut mache. Außerdem besprechen sich auch heikle Dinge bei einer Tasse Kaffee ungemein besser." 

Vielleicht stelle ich das eines Tages ja doch noch auf meiner Homepage ein, wer weiß?

Ich muss mich ja nicht heute entscheiden, und auch nicht morgen. Meine Homepage überarbeite ich sowieso ständig, da würde es ungefähr zwei Minuten dauern, diese "Kanzleiphilosophie" einzuflechten. Bis dahin versuche ich lieber, den Informationsgehalt meiner Homepage noch ein wenig nach oben zu schrauben. Ich glaube, davon haben Sie auf Dauer mehr.

Schließlich brauchen Sie ja im Fall der Fälle einen Anwalt und keinen Philosophen, oder? 


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