"Engel der Gerechtigkeit": Über diesen Film bin ich am Wochenende in der ZDF-Mediathek gestolpert. Klar, ich war neugierig...
Bei der Anfangsszene bin ich dann aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr herausgekommen: In einem Zivilverfahren, natürlich in einem superschönen und respekteinflößenden Gerichtsgebäude, lief die fiktive Kollegin Dr. Engel (natürlich, irgendeinen netten Namen musste die Dame ja haben) im Gerichtssaal herum und - plädierte. Sie argumentierte nicht, sie diskutierte nicht, sie plädierte.
Da war er wieder, einer dieser Irrtümer, die nicht totzukriegen sind: Anwälte laufen nicht im Gerichtssaal hin und her und gestikulieren dabei wie wild. Meist sitzen wir, einen Stift in der Hand, brav an unserem Platz. Bei gewissen Anlässen (zum Beispiel, wenn das Gericht den Raum betritt) stehen wir auf, aber wir setzen uns auch ziemlich schnell wieder hin und laufen nicht durch die Gegend.
Wir referieren auch nicht weitschweifend über die Ungerechtigkeiten der Welt, obwohl wir da alle unsere Geschichten zu erzählen hätten und es natürlich genügend Dinge gibt, die man anprangern kann, wenn in unserem Land etwas nicht so läuft wie es vielleicht laufen sollte. Wenn wir uns schon dazu hinreißen lassen, dann allerhöchstens in den vorbereitenden Schriftsätzen, die das Gericht schon längst kennt, wenn die mündliche Verhandlung dann stattfindet. Diese vorbereitenden Schriftsätze machen oft das eigentliche Herzstück unserer Arbeit aus, jedenfalls dann, wenn wir nicht gerade im Eilverfahren sind. Leider wäre es wahrscheinlich nicht allzu telegen, einen Anwalt zu zeigen, der einfach nur am Schreibtisch sitzt und sich den Kopf über eine Formulierung zerbricht.
Trotzdem heißt das aber nicht, dass man den Fernsehzuschauer für dumm verkaufen muss - zum Beispiel, indem man ihm suggeriert, dass es in Zivilprozessen ein Plädoyer gäbe. Genau das gibt es nämlich nicht.
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