Mittwoch, 13. Mai 2015

12 Uhr mittags

Wissen Sie, was an diesen späten Terminen im Gericht blöd ist? Dass man sich unter Umständen auf dem Gerichtsflur die Beine in den Bauch steht.
Richter können nicht hellsehen. Jedenfalls nicht mehr als andere Leute auch. Und wenn Richter ihren Verhandlungstag planen, dann können sie halt nur bis zu einem gewissen Grad voraussehen, wie lange die einzelnen Termine dauern. Manchmal stellt sich heraus, dass eine Verhandlung, für die 20 Minuten angesetzt waren, mal locker eine Stunde dauert, weil sich doch auf einmal noch mehr streitige Punkte finden, als man vorher gedacht hatte, oder weil sich Vergleichsverhandlungen ewig lange hinziehen.
Heute hatten sich zum 12-Uhr-Termin insgesamt 55 Minuten Verspätung angesammelt. Gut, dass unsere Verhandlung die letzte des Tages war, denn wir hätten sonst auch noch weiter überzogen. So war die einzige Konsequenz, dass mein Mittagessen ausfallen musste. Wenn ich mich nicht irre, dann versuchte der gegnerische Kollege, per Handy vom Gerichtsflur noch seine weiteren Verabredungen nach hinten zu schieben. Keine Ahnung, ob er es geschafft hat, aber er machte keinen glücklichen Eindruck. Ich war nur froh, dass ich meine nächste Besprechung erst für 14.30 Uhr auf dem Plan hatte. Es lohnt sich, wenn man Eventualitäten mit einplant.
Ich erinnere mich noch an gut einen anderen Tag im Gericht, an dem wir auch eine gefühlte Ewigkeit auf unseren Termin warten mussten. Die Richterin begrüßte uns mit den Worten:
"Tut mir Leid, aber heute habe ich wirklich Scheiße terminiert!"
Ich hätte es nicht besser sagen können...

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