Okay, Frau Zschäpe hat nun sprechen lassen. Interessanter als ihre Erklärung fand ich aber die Reaktionen darauf: Von "dumm" über "enttäuschend" bis "unglaubwürdig" war alles dabei. War vorauszusehen.
Was hatten die Leute denn erwartet? Dass sich Frau Zschäpe hinstellt und sagt: "Hey, das war eine geile Zeit. Wir waren die Outlaws. Wir fühlten uns wie Bonnie und Clyde und Clyde"?
Wenn die Reaktion gewesen wäre, dass man sich für seine Mandanten gewünscht hätte, dass die Angeklagte mehr ins Detail gegangen wäre, damit die Hinterbliebenen den Tod ihrer geliebten Menschen besser verarbeiten können, dann hätte ich's verstanden.
Was ich nicht verstehe ist, dass manche Kollegen (nur mal nebenbei erwähnt: offiziell Organe der Rechtspflege!) sich hinstellen, ihr Gesicht in die Kamera halten und so tun, als müsste die Angeklagte ihre Unschuld beweisen. Damit wird das Rechtsstaatsprinzip, das sie selbst vertreten (müssen), auf den Kopf gestellt.
Wir leben in einem Staat, in dem man sich nicht selbst belasten muss. Das ist auch gut so. Das ist ein Teil dessen, was uns als Zivilgesellschaft ausmacht. Deshalb müssen wir dieses Recht auch denen zugestehen, die der fürchterlichsten Verbrechen angeklagt sind, und mit den Konsequenzen leben. So schwer uns das im Einzelfall auch fallen mag.
Das muss man auch den Mandanten erklären, und das ist manchmal das Schwierigste. Weil da nämlich die Emotionen im Spiel sind, die man nicht einfach wegdiskutieren kann.
Die Angeklagte muss sich nun an ihren Angaben messen lassen. Das ist aber nicht Aufgabe der Medien, sondern des Gerichts.
Aber ja, es herrscht auch Meinungsfreiheit. Auch das ist ein Teil dessen, was uns ausmacht. Ich kenne auch das Gefühl, das man hat, wenn man aus dem Gerichtssaal kommt und selbst erstmal verarbeiten muss, was man gerade gehört hat. Dann kann das Hirn schon mal schneller rasen als ein ICE. Ein Grund mehr, erstmal einen Gang runterzuschalten, das Gehörte erstmal sacken zu lassen und in der Zeit Kameras aus dem Weg zu gehen.
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