Donnerstag, 31. März 2016

"Terror" - Aber dieses Mal glücklicherweise nur im Stadttheater in Bielefeld

Ich bin ja immer noch dabei, mich von den Osterfeiertagen zu erholen. Bei Anwälten heißt das soviel, dass man versucht, die zwei zusätzlichen Arbeitstage, die man durch den Karfreitag und den Ostermontag "verloren" hat, wieder rauszuholen, weil die Mandanten natürlich erwarten, dass ihre Sachen weiterlaufen. Ich bin mir aber sicher, dass es an den Gerichten auch nicht anders läuft, nur eben mit der Abwandlung, dass noch ein guter Teil der Belegschaft in den Osterferien ist.

Manchmal wünsche ich mir wirklich die Semesterferien zurück...

Meine vier freien Tage fingen im Grunde schon Donnerstag Abend an, aber auch nur in gewissem Sinne. Was macht Frau Anwältin an einem Abend vor Karfreitag? Richtig - sie schleppt ihren Mann und ihre Eltern ins Theater, und zwar in ein Stück, in dem ausgerechnet eine Gerichtsverhandlung nachgespielt wird. Mein Mann fragte hinterher ganz entgeistert: "Sag mal, wusstest Du, worum's dabei geht?" Ja sicher. 

Die Storyline in Kurzfassung: Ein Major der Luftwaffe ist angeklagt, ein von einem Terroristen entführtes Flugzeug mit 164 Menschen an Bord abgeschossen zu haben, nachdem der Terrorist gedroht hatte, es in die zu diesem Zeitpunkt mit 70.000 Menschen ziemlich ausverkaufte Allianz-Arena krachen zu lassen. Nicht ganz unaktuell, diese Problematik, oder?

Und wenn wir uns mal dran erinnern: Der Anschlag am Flughafen von Brüssel war uns da noch ganz stark im Gedächtnis, und der Gründonnerstag war ausgerechnet auch noch der Jahrestag des Germanwings-Absturzes.

Das Stück, übrigens geschrieben vom Kollegen Ferdinand von Schirach, bestand dann im Grunde aus der Hauptverhandlung mit nur wenigen Personen: Richter, Staatsanwältin, Angeklagtem, Verteidiger, einem Zeugen und einer Nebenklägerin. Alles also ziemlich einfach gehalten. Das Publikum hatte die Funktion der Schöffen. Nachdem der Angeklagte sein letztes Wort hatte ("Ich schließe mich den Ausführungen meines Verteidigers an" - ein echter Klassiker!), wurden die "Schöffen" zur "Beratung" geschickt, also in die Pause. Danach gab's dann die Urteilsverkündung. Je nachdem, durch welche Tür man den Theatersaal wieder betreten hatte, wurden die Stimmen als "schuldig" oder "unschuldig" gewertet. Ich hätte mir eigentlich lieber die Entscheidungsmöglichkeiten "Freispruch" oder "Verurteilung" gewünscht, aber das nur so nebenbei.

Im Gegensatz zu vielen Stimmen, die ich in der Pause gehört habe, habe ich meine Meinung im Laufe des Stückes nie geändert. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich durch die "unschuldig"-Tür wieder hineingehen würde. Was ich da vorher gehört hatte, kam mir doch alles ziemlich bekannt vor - Strafrecht, erstes Semester. Damals, als ich noch 19 war und davon ausging, dass das alles eine rein theoretische Diskussion bleiben würde. Als ich mit 800 anderen Erstsemestern im Audimax der Bielefelder Uni saß und der Hauptgedanke war, ob das alles in der Klausur drankommen könnte (kam es übrigens nicht).

Soll heißen: Ich für mich merkte, dass ich die Sache allein von der juristischen Seite aus sah, während die meisten anderen um mich herum allein auf ihren gesunden Menschenverstand angewiesen waren. Ich hatte es da leichter. Schon ironisch, oder? Ich dachte immer nur: Was kann ich dem Angeklagten nachweisen? Alle anderen dachten: "Durfte er das?" 

Ohne die potentielle rechtliche Lösung hier quasi als Spoiler verraten zu wollen - der gesunde Menschenverstand der Bielefelder ging an dem Abend ganz klar in Richtung Freispruch - mit 412 zu 176 Stimmen.

Und irgendwie hoffe ich immer noch, dass das alles eine rein theoretische Situation bleiben wird... 

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