Donnerstag, 31. Dezember 2015

Mein 2015

Ich weiß gar nicht, warum immer alle darüber jammern, wie fürchterlich das Jahr 2015 war. Für mich persönlich war es nämlich gar nicht mal so übel. Da gab es schon wesentlich schlechtere Jahre.

2015 war das Jahr, in dem

... ich am 3. September in unserem kleinen grünen Zelt auf einem Campingplatz in der Nähe von Halifax aufwachte und feststellte, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, zwanzig Jahre mit ein- und demselben Mann zusammen war, ohne ihn zu ehelichen. Und ich war dankbar für jeden einzelnen Tag. Für jemanden, der sich von Berufs wegen viel mit gescheiterten Ehen beschäftigt, ist das eigentlich ziemlich erstaunlich.

... ich im Atlantik gebadet habe. Bei einer Wassertemperatur von 12,5 Grad Celsius. Allen Ernstes.

... ich mich in Paris verliebt habe. Als ich im Februar über das Valentinstagswochenende dort war. Nicht allzu lange nach Charlie Hebdo. Lange vor den Anschlägen vom 13. November.

... mich eine rollige Meise namens Sigmund über Wochen genervt hat. Aber ich gönne ja jedem seine Frühlingsgefühle. Das waren die Wochen, in denen ich Geduld gelernt habe.

... ich festgestellt habe, dass meine Nerven nicht die schlechtesten sind. Sind Sie schon mal im Berufsverkehr mit dem eigenen Auto durch Paris gefahren? Ist das beste Training.

...  das Wort "griesgrummelig" erfunden wurde.

... ich bei meiner Familienforschung ein ziemliches Stück weiter gekommen bin, als ich das Rätsel um meine Wissmann-Vorfahren geknackt habe. Darüber hatte ich schon Jahre gebrütet. Hartnäckigkeit zahlt sich eben doch aus.

... ich das erste Mal so etwas wie Stolz auf "mein" Land empfunden habe. Weil wir keinen Zaun um uns herum gebaut haben. Weil wir uns den Herausforderungen stellen. Wie auch immer sich die Situation weiterentwickelt.

... es unheimlich viele dieser kleinen Momente gab, die das Leben so lebenswert machen, und die ich hier gar nicht alle aufzählen kann!

Und damit verabschiede ich mich für dieses Jahr. Allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 


!

Montag, 28. Dezember 2015

Anwälte werden nicht wirklich alt...

... muss daran liegen, dass wir ständig die Probleme anderer Leute lösen sollen ;-)

Aber Spass beiseite, diesen Absatz habe ich eben im aktuellen Mitteilungsblatt des Versorgungswerks der Rechtsanwälte gefunden:

Erschreckend, oder?

Danach fragt man sich glatt, warum man überhaupt noch für seine Rente vorsorgt... 

Andererseits: Warum nicht einfach mal die Statistik aufbessern und 100 Jahre alt werden...? 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Eine (etwas andere) Weihnachtsgeschichte

Vor ein paar Jahren, als ich noch mein Büro in Werther hatte, saßen wir am Nachmittag des 24. Dezember gerade bei meinen Schwiegereltern beim Essen, als das Telefon klingelte. Es war noch nicht sonderlich spät, vielleicht so gegen drei Uhr, aber wenn man seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hat, weil man ja eine ungefähre Ahnung hat, wieviele Kalorien einen an diesem Tag noch erwarten, dann kann man sich vorstellen, dass wir alle ziemlich hungrig um einen großen Vogel herum saßen. Und um die selbstgemachten Klöße. Und die Speckböhnchen...

Wie gesagt: Plötzlich klingelte das Telefon.Mitten beim Essen. Meine Schwiegermutter war schon etwas irritiert ("Wer ruft denn um diese Zeit an, es sind doch alle hier...?"), was sich noch steigerte, als sie hörte, wer am Telefon war und sie dann plötzlich mir das Telefon hinhielt: "Für Dich."

Es war ein Mandant von mir. Einer, der im südlichen Niedersachsen wohnte und in einer neuen Sache gerade ganz böse Post in einem gelben Umschlag bekommen hatte, mit einer Frist von zwei Wochen. Auch am Heiligabend kann man durchaus auch schon mal unschöne Schreiben vom Gericht bekommen. Das wirklich blöde war jedoch, dass der Postbote auf dem Umschlag eindeutig den "14.12." als Zustelldatum vermerkt hatte, und direkt nach Weihnachten war zu allem Überfluss auch noch Wochenende. Man kann sich also ungefähr vorstellen, dass mein Mandant im Panikmodus war. Und zwar so richtig.

Ich habe mir den Umschlag später zeigen lassen. Es stand wirklich eine 14 drauf.

Man kann sich denken, dass ich mein Büro eigentlich schon über Weihnachten geschlossen hatte. Ich hatte auch keine Nachricht auf dem Anrufbantworter hinterlassen: "Falls Sie einen dringenden Notfall haben, dann erreichen Sie mich bei meinen Schwiegereltern!" Nein, nichts dergleichen. Wie hatte mich mein Mandant also gefunden?

Ganz einfach eigentlich: Er hatte angefangen, alle Schwentkers durchzutelefonieren. Er hatte einfach gehofft, dabei jemanden an die Strippe zu bekommen, der mit mir verwandt war und wusste, wo ich vielleicht zu finden sein würde. Und dabei war er nach einigen Fehlversuchen auf meine Eltern gestoßen. Er hatte sich so derart verzweifelt angehört, dass meine Mutter ihm die Nummer von meinen Schwiegereltern gegeben hatte.

Ich stand also bei meinen Schwiegereltern im Flur und hörte mir sein Problem an. In der Küche war es zu laut, und ins Wohnzimmer durfte man ja noch nicht, um den Weihnachtsmann nicht bei seiner Arbeit zu stören. Also der Flur.

Im Kopf war ich schon fast dabei, die Frist auszurechnen, die tatsächlich blieb, und mir zu überlegen, wie ich den Mandanten denn vor dem 28. noch in meinen Terminplan quetschen konnte... bis ich ihn fragte, welches Datum denn auf dem Schreiben vom Gericht steht.

Pause.

Und dann eine Lachsalve. Vor Erleichterung!

Das Schreiben vom Gericht datierte vom 22. Dezember. Das Schreiben konnte ihm also gar nicht am 14. zugestellt worden sein. Selbst wenn der Postbote auf der Zustellungsurkunde denselben Fehler gemacht hätte wie auf dem Brief selbst.

In seiner hellen Aufregung hatte mein Mandant überhaupt nicht auf dieses Datum geachtet. Ich konnte es ihm auch nicht verübeln. Auf das Datum achten die wenigsten. Es spielt ja auch meist keine große Rolle...

Wir haben uns dann für den nächsten Montag verabredet. Die Verteidigungsanzeige gegen die Klage ging dann noch am selben Tag per Fax ans Gericht, und alles wurde gut.

Drücken Sie mir mal die Daumen, dass die Postboten dieses Jahr nicht wieder aus einer 2 eine 1 machen. Denn wieder gibt es Pute, selbstgemachte Klöße und Speckböhnchen...

Montag, 21. Dezember 2015

Die Macht ist erwacht...

... dafür bin ich müde. Es ist beinahe Mitternacht, und wir sind gerade aus dem Kino wiedergekommen. Star Wars, Episode VII. In 3D und in der Originalversion. Wenn schon, denn schon.



Klar, die Special Effects waren wirklich richtig gut. War ja auch nicht anders zu erwarten. Aber warum müssen die Bösen eigentlich immer schwarze Masken tragen oder aussehen wie eine Kreuzung aus Gollum und Voldemort? Können Stormtrooper zu Gutmenschen werden? Können gute Menschen böse Kinder bekommen? Und warum sehen Stormtrooper von hinten eigentlich so aus, als würden sie weiße Unterhosen tragen?

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich das alles schon mal gesehen hatte. Habe ich auch. Im Kino. In Star Wars. Aber fragen Sie mich bitte jetzt nicht, in welcher Episode. In den alten auf jeden Fall. Nur, dass jetzt alles etwas politisch korrekter daher kommt als damals. Sie wissen schon, starke Frauenfiguren und so. Aber irgendwie fand jeder Charakter seine Entsprechung in einer der Figuren aus der ersten Trilogie.

Es gibt Momente, da wünscht man sich Alec Guinness zurück...

Sonntag, 20. Dezember 2015

Blick zurück: 51. KW - 14. bis 20. Dezember 2015

Die Winterrose

Nein, ich meine nicht das Buch von Jennifer Donnelly (das ich vor ein paar Jahren übrigens verschlungen habe), sondern die Pflanze in unserem Vorgarten. Sie blüht nämlich gerade. 

So stellt man sich den Dezember vor, oder? Wann hatten wir eigentlich zuletzt weiße Weihnachten? Ich will weiße Weihnachten!

Und wenn wir schon mal bei dem Thema "Bunte Farbtupfen vor dem anwaltlichen Kanzleifenster" sind: Von meinem Schreibtisch aus kann ich wunderbar den Kampf zwischen Meisen, Kleibern und unserem Buntspecht um die Herrschaft über den Meisenknödel beobachten. Ein herrliches Spektakel!

Goldtröpfchen-Torte
 
Heute vor einer Woche auf dem Sternchenmarkt in Brockhagen. Ich konnte mich noch gerade so beherrschen und habe nur ein Stück gegessen. Schade eigentlich... falls jemand das Rezept hat: Bitte an mich...! 


Der Ich-glaube-ich-gucke-nicht-richtig-Moment der Woche: 

Den hatten wir am Mittwoch, ungefähr um 20 nach 6 abends. Wir waren gerade noch kurz Einkaufen gewesen und auf dem Rückweg zum Katharinenstollen. Völlig unwissend, dass an diesem Abend ausgerechnet Pur im Gerry-Weber-Stadion spielen würden (ist auch nicht so wirklich unser Geschmack), fuhren wir die Wertherstraße hoch und wunderten uns über die Blechlawinen, die sich plötzlich um uns herum materialisierten: Wir standen im Stau! Als Linksabbieger...

Wenn ich in den letzten Jahren etwas über Autofahrer gelernt habe, dann das: Geduld ist Mangelware (Zeit anscheinend auch, denn sonst würden die meisten ja einfach mal fünf Minuten eher losfahren). Man ist ja so einiges gewöhnt im alltäglichen Wahnsinn, aber das hier?

Ich versuche es mal zu erklären: Der zweite in der Schlange scherte aus, fuhr nach rechts, setzte den Blinker nach links und fuhr dann um den ersten in der Schlange herum in die Kreuzung rein, nur um denjenigem, der aus Richtung Theenhausen kam, die Vorfahrt zu nehmen. Alles klar?

Es gibt wirklich Leute, die nicht auf die Straße gehören, jedenfalls nicht als Fahrer eines Kraftfahrzeugs. Das hier war einer davon.

Der traurige Moment der Woche:

Auf der Beerdigung, natürlich. Ich hoffe, dass das die letzte Beerdigung für eine lange, lange Zeit war.

Der Weihnachtsbaum: Was gut lief

Es gibt Dinge, die dieses Jahr tatsächlich einfacher waren als gedacht, und das Besorgen des Baumes gehörte dazu. Anhänger ans Quad und gegenüber den Berg hoch zum Nachbarn. Pi mal Daumen Maß genommen, ob das Bäumchen auch von der Höhe her ins Wohnzimmer passt ("Sollte hinkommen...") und wieder die dreihundert Meter nach Hause. Baum hingestellt. Passt. Das Fenster ist auch noch heile. Nur vom Fernseher sieht man jetzt nur noch die Hälfte. Na ja, wenn man sich etwas schräg hinsetzt, dann geht's. Warum wirken die Bäume beim Kaufen eigentlich immer schmaler als später im Wohnzimmer?

Der Weihnachtsbaum: Was nicht ganz so gut lief

Weihnachtsbäume brauchen Wasser, und dieses Jahr haben wir sogar dran gedacht! Doof nur, wenn sich dann nach ein paar Stunden (also am nächsten Morgen) herausstellt, dass der Weihnachtsbaumständer inkontinent ist. Richtig doof, wenn man dazu noch in einem Haus wohnt, das nicht nur älter als 100 Jahre ist, sondern bei dem auch die Böden ab und an mal leicht uneben sind. Das sind die Momente, in denen man nur darüber staunen kann, wie leicht sich Wasser verteilt, wenn man es lässt.

Star Wars

Ich gehöre ja zu denen, die von dem ganzen Hype schon genervt sind, bevor sie den Film überhaupt gesehen haben. Aber ja, die Tickets sind schon online gekauft. Böse Zungen behaupten ja, dass Anwaltsroben ein bisschen so aussehen wie die Klamotten von Darth Vader. Möge die Macht mit mir sein. 

Der Frust der Woche

Ich darf hier unseren ansonsten immer gut gelaunten Postboten zitieren: "Ich bin heilfroh, wenn dieses Scheiß-Fest vorbei ist!" Ich bin mir sicher, dass er im Grunde nur die Päckchenschlepperei meinte, die mit der neumodischen Angewohnheit einhergeht, die Geschenke online zu ordern und sie sich direkt bis vor die Haustür tragen zu lassen. Deshalb an dieser Stelle: Ein dickes Dankeschön alle Post- und Paketboten, die sich für uns abrackern!!!

Und ansonsten? 

Ich hatte mir ja vorgenommen, meine Homepage zu überarbeiten und wieder online zu stellen. Gesagt und getan, samt neuem Layout. Ist zwar noch nicht 100%ig fertig, aber doch fertig genug, damit man etwas damit anfangen kann.

Außerdem wollte ich ja noch Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte lesen. Ich bin dabei! Aber obwohl sie ja nicht so wahnsinnig lang ist, habe ich es schon geschafft, dreimal darüber einzuschlafen. Aber bis Heiligabend werde ich es schaffen! Ganz bestimmt!




Dienstag, 15. Dezember 2015

Jahresendstimmung

Ich scheine nicht die einzige zu sein, die versucht, bis zum Jahresende noch so viel wie möglich wegzuarbeiten. In Gerichten und vor allem auch in Behörden ist es wohl ähnlich, allerdings mit dem Unterschied, dass sich die Menschen, die dort arbeiten, in den bezahlten Weihnachtsurlaub verabschieden, und zwar oft auch noch ein paar Tage früher als ich. Zugegeben, manchmal denke ich dann: "Die Glücklichen!"

Auf einmal kommen also Anrufe und Faxe in Sachen, in denen man seit Wochen oder gar Monaten nichts mehr gehört hat, und das natürlich mit der allerhöchsten Dringlichkeitsstufe. Da wird dann dreimal wegen eines Zweizeilers angerufen, an einem Tag, an dem ich terminsbedingt gar nicht im Büro sein kann, und nur für den Fall, dass ich die drei Anrufe nicht mitbekommen habe, wird noch einmal ein Schreiben hinterhergeschickt, vorab per Fax und dann noch einmal mit der "normalen" Post hinterher.

Ganz im Ernst: Dringender sind diese Sachen nicht wirklich geworden, und wichtiger auch nicht. Was schon ein paar Wochen liegt, kann auch ruhig noch eine Woche länger liegen, wenn sich die Hauptsache inzwischen sowieso schon erledigt hat, weil die Realität die Bürokratie in der Zeit eben mal butz überholt hatte.

Ich glaube, dass das ein gutes Beispiel dafür ist, dass Anwälte und Behörden unterschiedlich arbeiten. Bei uns stehen auch nicht die Erledigungsziffern im Vordergrund; wir werden ja auch nicht daran gemessen, wieviel wir weggearbeitet haben, sondern was das Ergebnis des Ganzen ist. Wir können (und müssen!) Prioritäten setzen, weil auch unsere Zeit begrenzt ist, und gerade dann, wenn man nicht in einer Sozietät sitzt, hat man nicht mal gerade jemanden, der für einen einspringt. Deshalb macht man in der Regel zuerst das, was dringend und wichtig ist... auch kurz vor Weihnachten.


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Frau Zschäpe und der NSU: Was erwarten die Leute eigentlich?

Okay, Frau Zschäpe hat nun sprechen lassen. Interessanter als ihre Erklärung fand ich aber die Reaktionen darauf: Von "dumm" über "enttäuschend" bis "unglaubwürdig" war alles dabei. War vorauszusehen.

Was hatten die Leute denn erwartet? Dass sich Frau Zschäpe hinstellt und sagt: "Hey, das war eine geile Zeit. Wir waren die Outlaws. Wir fühlten uns wie Bonnie und Clyde und Clyde"? 

Wenn die Reaktion gewesen wäre, dass man sich für seine Mandanten gewünscht hätte, dass die Angeklagte mehr ins Detail gegangen wäre, damit die Hinterbliebenen den Tod ihrer geliebten Menschen besser verarbeiten können, dann hätte ich's verstanden.

Was ich nicht verstehe ist, dass manche Kollegen (nur mal nebenbei erwähnt: offiziell Organe der Rechtspflege!) sich hinstellen, ihr Gesicht in die Kamera halten und so tun, als müsste die Angeklagte ihre Unschuld beweisen. Damit wird das Rechtsstaatsprinzip, das sie selbst vertreten (müssen), auf den Kopf gestellt.

Wir leben in einem Staat, in dem man sich nicht selbst belasten muss. Das ist auch gut so. Das ist ein Teil dessen, was uns als Zivilgesellschaft ausmacht. Deshalb müssen wir dieses Recht auch denen zugestehen, die der fürchterlichsten Verbrechen angeklagt sind, und mit den Konsequenzen leben. So schwer uns das im Einzelfall auch fallen mag.

Das muss man auch den Mandanten erklären, und das ist manchmal das Schwierigste. Weil da nämlich die Emotionen im Spiel sind, die man nicht einfach wegdiskutieren kann.

Die Angeklagte muss sich nun an ihren Angaben messen lassen. Das ist aber nicht Aufgabe der Medien, sondern des Gerichts. 

Aber ja, es herrscht auch Meinungsfreiheit. Auch das ist ein Teil dessen, was uns ausmacht. Ich kenne auch das Gefühl, das man hat, wenn man aus dem Gerichtssaal kommt und selbst erstmal verarbeiten muss, was man gerade gehört hat. Dann kann das Hirn schon mal schneller rasen als ein ICE. Ein Grund mehr, erstmal einen Gang runterzuschalten, das Gehörte erstmal sacken zu lassen und in der Zeit Kameras aus dem Weg zu gehen.

Montag, 7. Dezember 2015

Kein beA zum 1. Januar...!

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Das besondere elektronische Anwaltspostfach kommt nicht, oder besser gesagt: Nicht zum geplanten Start am 1. Januar 2016... 

Einen neuen konkreten Starttermin gibt es allem Anschein nach aber noch nicht. 

 Bild in Originalgröße anzeigen  Ich habe ja wirklich versucht, optimistisch zu bleiben, aber dann habe ich im November an einer Fortbildung bei der Rechtsanwaltskammer zu diesem Thema teilgenommen und kam doch ziemlich nervös zurück: Was ja durchaus gut gemeint war (Reduzierung des Papierkrieges, flüssigere Arbeitsabläufe etc. pp.), würde höchstwahrscheinlich in einem höllischen Chaos enden.

Das war wenigstens meine Befürchtung. Vielen anderen Kollegen, grundsätzlich papieraffin wie ich auch (vielleicht sind wir ja deshalb alle Anwälte geworden) ging es augenscheinlich genauso, wie die zahlreichen Fragen zum Thema zeigten. Letztlich hatte diese Fortbildungsveranstaltung wohl nur für noch mehr Verwirrung gesorgt. Und meine Annahme war, dass es bei den Gerichten nicht unbedingt anders aussah, denn die Gerichte müssen die Technik ja schließlich auch in ihren Alltag integrieren, wenn man mit uns Anwälten fortan auf elektronischem Wege kommunizieren will...

Kennen Sie diese Momente, in denen Sie am liebsten sagen würden: "Siehste, ich hab's ja geahnt!"?

Das hier ist so einer.


Donnerstag, 3. Dezember 2015

Gründlichere Kontrollen am Amtsgericht Halle (Westf.)

Wenn Sie demnächst einen Termin am AG Halle haben, dann sollten Sie sich zusätzlich zur Parkplatzsuche noch ein paar Minuten mehr Zeit nehmen - die Eingangskontrolle wird verschärft:


Ich persönlich finde es auch richtig so. Es gibt eben Menschen, die von einem Gerichtstermin so beeindruckt sind, dass sie in einen psychischen Ausnahmezustand geraten, der dann auch schon mal außer Kontrolle geraten kann. Und ich möchte nicht in den Nachrichten lesen müssen, dass so etwas am Amtsgericht Halle passiert ist.

Das muss ja gar nicht mal der dieser Tage allseits gefürchtete terroristische Anschlag sein. Denken Sie nur mal an die Leute, die nicht wahrhaben wollen, dass sich ihre bessere Hälfte von ihnen getrennt hat. Da muss es kein Sturmgewehr oder eine abgesägte Schrotflinte sein, da reicht zur Not auch ein Messer, das jeder von uns in der Küchenschublade liegen hat.

Nicht, dass ich jemals Angst im Gericht gehabt hätte. Nö. Jedenfalls nicht um mich. Und auch nicht in Verfahren, in denen es um Totschlag ging. Aber es gibt tatsächlich auch Leute, die grundsätzlich die Robenträger für die Bösen halten und sich selbst für die Opfer, denen "das System" ja nur Böses antun will...

Deshalb: Besser auf Nummer Sicher gehen, jedenfalls in diesem Fall.



Mittwoch, 18. November 2015

Papier und Novemberwetter vertragen sich überhaupt nicht gut...

... jedenfalls nicht, wenn es so dermaßen viel regnet wie in den letzten Tagen! 

Deswegen - wenn Sie Post für mich in meinem Briefkasten hinterlassen, dann machen Sie doch bitte das rote Fähnchen nach oben, so dass ich auf den ersten Blick sehen kann, dass Papier auf mich wartet!


Ich habe in den letzten Tagen, vor allem am Wochenende, wenn man selbst auch mal nicht da ist, diverse völlig durchweichte Zettel gefunden, die ich erstmal trocknen musste, bevor ich auch nur irgendwas mit ihnen anstellen konnte. Das passiert immer dann, wenn der Briefkasten, aus welchem Grunde auch immer, nicht ganz zu gemacht wird (was ja schnell mal passieren kann, wenn man es eilig hat und es gleichzeitig so schüttet, dass man noch nicht einmal den sprichwörtlichen Hund vor die Tür jagen möchte).

Danke schön! 

(Ansonsten muss ich mir überlegen, eine Wäscheleine vor dem Kaminofen zu spannen.) 


Dienstag, 17. November 2015

Bald gibt es Fachanwälte für Migrationsrecht.

In den letzten Jahren scheinen neue Fachanwaltschaften ja geradezu inflationär den Markt zu fluten. Kollegen witzeln schon, wann es denn nun endlich den "Fachanwalt für Gartenzwergrecht" geben wird. Am 09.11.15 hat die Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) aber die Einführung eines Fachanwaltstitels beschlossen, der definitiv Sinn macht:

Der Fachanwalt für Migrationsrecht kommt. 



Soweit ich weiß, werden die ersten Fachanwaltslehrgänge dazu im Frühjahr 2016 starten. Die Lehrgänge dauern immer ein paar Monate, je nach Veranstalter bis zu einem halben Jahr, und dann müssen auch noch die Anwaltskammern die Anträge der Anwälte prüfen. Ende 2016 sollte es also spätestens soweit sein.

"Ah, Fachanwälte für Flüchtlinge", mögen jetzt vielleicht einige denken. Nein, weit gefehlt. Auch die klassische Arbeitsmigration steht mit auf dem Programm. 

Angesichts der aktuellen Lage kommt die Fachanwaltschaft aber trotzdem zur richtigen Zeit.

Im Moment wandelt sich wahrscheinlich kein Rechtsgebiet so schnell wie das Ausländer- und Asylrecht. Und die Frage, in welchem Land man - zumindestens übergangsweise oder für einige Jahre - lebt, gehört ja nun zu den grundlegendsten der menschlichen Existenz, so dass man da wirklich einen Anwalt braucht, der mitten im Thema ist, weil die Konsequenzen bei Fehlern leicht existenzvernichtend sein können.

Mein Fachgebiet ist es nicht; meine Schwerpunkte liegen ja bekanntlich woanders. Aber auch ich werde mir einen Kollegen suchen, mit dem ich gegebenenfalls zusammenarbeiten kann, wenn bei einem meiner Fälle mal so eine migrationsrechtliche Frage auftaucht, die ich für mich nicht beantworten kann.

Montag, 16. November 2015

Richtig fremdgehen...

Gestern Abend waren wir wieder unterwegs, in der Seidenstickerhalle gab's Atze Schröder. Für uns inzwischen schon zum dritten Mal und ja, ich kann durchaus drüber lachen. Auch wenn's mitunter unter die Gürtellinie geht. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Kein Wunder, wenn das Programm "Richtig fremdgehen" heißt.

Der Abend war der beste Beweis dafür, dass sogar Ostwestfalen einen ziemlich eindeutigen Humor haben und - allen Ernstes - auch lauthals in der Öffentlichkeit lachen können. Klar, die Geschichten betreffen einen ja selbst nicht zwingend... oder zumindest würde es keiner zugeben.

Es sei denn, man ist sowieso schon aufgeflogen.

Wenn die "Übeltäter" (in Anführungsstrichen, denn ich weigere mich, da nur schwarz-weiß zu denken) dann aufgeflogen sind, landen sie oft genug bei mir. "Frau Schwentker, ich habe da ein Problem."


Welcher Art dieses Problem genau ist, interessiert mich im Grunde gar nicht. Oder sagen wir mal, in ungefähr 95 % der Fälle ist es rechtlich irrelevant.

Dass Beziehungen scheitern, gehört nun mal zum allgemeinen Lebensrisiko. Das Schuldprinzip bei der Scheidung ist seit den 70ern endgültig abgeschafft. Deshalb reicht mir der Hinweis, dass da mit jemand anderem was gelaufen ist, durchaus. Selbst im Scheidungsantrag gibt man nur an, wann sich die Eheleute getrennt haben, und  nicht warum - und erst recht nicht wegen wem.

Trotzdem komme ich oft nicht drum herum, wenigstens ein paar Einzelheiten zu hören, und das ist auch okay so. Ich kann hier die Leute ja schlecht durchschleusen wie am Fließband. Will ich auch gar nicht. Wer gerade dabei ist, eine 15jährige Ehe zu beenden, dem kann ich auch fünf Minuten gönnen, um zu erzählen, warum. Das gehört zum Trauerprozess dazu. Und die meisten trauern um die Beziehung. Oder zumindest darum, wie sie früher mal war.

Wo wir gerade schon mal beim Thema "Trauer" sind: Ja, auch Herr Schröder kam nicht drum herum, keine 48 Stunden nach den Attentaten von Paris etwas dazu zu sagen. Er machte es kurz und brachte es auf den Punkt: 

Wir lassen uns das Lachen nicht verbieten! 







Donnerstag, 5. November 2015

Es wird tatsächlich Leute geben, die hierauf hereinfallen...

Wieder einmal ein Beitrag aus der beliebten Rubrik: "Man kann es ja mal versuchen!"

Eben kam dieses Fax:


Ich soll doch bitte dieses Formular ausfüllen und bis zum 11.11.15 gebührenfrei zurückfaxen.
Und eilig wäre die Sache ja auch noch! 

Ja nee, Is' klar.

Einen Teufel werde ich tun. 

1. Das einzige, was hier gebührenfrei ist, ist die Rückantwort. Die wäre nämlich als Annahme eines Vertragsangebotes zu werten, und dann wäre ich verpflichtet, für die nächsten drei Jahre je 348,00 EUR zuzüglich Umsatzsteuer, insgesamt also mal locker 1.242,36 EUR, an diese "Europe Reg Services Ltd" zu zahlen. Und der Betrag wäre vermutlich in einem Stück fällig...

2. Kennen Sie dieses Verzeichnis überhaupt? Ich nicht. Und warum sollte ich mich in einem "Gewerbe-Verzeichnis" eintragen lassen wollen, das sowieso keiner kennt?

3. Diese "Ltd." (= Limited) hat ihren Sitz mit Sicherheit nicht in Deutschland, sondern irgendwo im britischen Commonwealth. Wenn es sie überhaupt gibt. Ich habe aber keine Lust, mir die Mühe zu machen und nachzuforschen.

4. Dass man meine Adresse von irgendeiner Liste gekauft hat, sieht man schon daran, dass man augenscheinlich keine Ahnung hat, welche Art Unternehmen ich führe: Ich habe kein Gewerbe. Ich bin Freiberuflerin. Ist schon ein Unterschied!

Fazit: Schade um den Toner. Und den Strom für den Schredder.

Mittwoch, 4. November 2015

Die Männerhasserin...

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass nicht alle mit dem einverstanden sind, was ich ihnen schreibe. Vor allem natürlich dann nicht, wenn ich für meine Mandanten Forderungen stelle.

Drollig war aber eine Reaktion eines Herrn, die nun an mich weitergetragen wurde. Ich hatte mich doch tatsächlich erdreistet, gegen ihn nachdrücklich Unterhaltsforderungen geltend zu machen (und noch nicht einmal überzogene).

"Die Anwältin, das ist doch bestimmt so eine männerhassende Ziege!!!"


Solange mich Männer noch dermaßen zum Lachen bringen können? 

Bestimmt nicht! 

(Auch wenn ich mich ganz leise frage, was wohl seine Reaktion gewesen wäre, wenn das Forderungsschreiben von einem männlichen Kollegen gekommen wäre...)

Montag, 26. Oktober 2015

Mundraub?

Wenn Sie hier heute Nachmittag vor die Tür gehen, dann merken Sie eindeutig, dass wir hier auf dem Land sind: Es riecht nach Zwiebeln. Und das nicht zu knapp.


Das liegt aber nicht an meinen nur in geringem Umfang vorhandenen Kochkünsten. Im Gegenteil: Direkt uns gegenüber, auf der anderen Seite der Nordstraße den Berghagen hinauf, befindet sich im Moment ein Zwiebelfeld. Und je nachdem, wie der Wind steht...

Bevor Sie jetzt alle loslaufen und für lau säckeweise Zwiebeln ernten: Das wäre immer noch Diebstahl. So etwas wie "Mundraub" kennt unser Strafgesetzbuch tatsächlich nicht (mehr). Reiner Hunger wäre höchstens als mildernder Umstand bei der Strafzumessung zu berücksichtigen...

Lassen Sie's also besser.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Damals, am 21. Oktober 2015

Haben Sie gestern auch aus lauter Nostalgie den zweiten Teil von "Zurück in die Zukunft" geguckt?

Irgendwie war es ja schon herrlich zu sehen, wie Marty McFly und Doc Brown ausgerechnet am 21. Oktober 2015 in der Zukunft landen, oder? Hoverboards, fliegende Autos und fies-bunte Klamotten...


Ich weiß noch, dass ich den Film damals in Bielefeld im Kino gesehen habe (wenn ich mich nicht irre, dann war das im Atrium). Was ich aber nicht mehr auf dem Schirm hatte: Dass Doc Brown mal ganz nebenbei anmerkt, dass das Rechtssystem "jetzt" so viel schneller sei als früher, weil man inzwischen ja sämtliche Anwälte abgeschafft hätte... 

Mein Mann fiel fast vor Lachen vom Sofa, ich mit einem heftigen Hustenanfall.

Gut, dass es nur ein Film war... !!! 

Falls Sie sich fragen, wie ich trotz übler Erkältung abends überhaupt so lange durchhalten konnte: Ich hatte tagsüber geschlafen. Um genauer zu sein: Schlafen müssen, denn ich war richtig uppe. Und mir fällt es wirklich schwer, mich krank zu melden. 

Für heute Nachmittag hatte ich ein kleines Seminar bei der Kammer in Hamm gebucht (nur zwei statt fünf Stunden, Gott sei Dank), und wenn ich mich eben aufraffen kann, werde ich auch hinfahren. Ich kann im Moment wirklich wesentlich besser zuhören als selbst reden. 

Kann ich nicht einfach mal nur 'nen Schnupfen kriegen?! 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Beziehungs-Dialog: Teil 3

Amtsgericht Halle, gestern. 

Wäre mein Hausarzt dabei gewesen, dann hätte er mir vermutlich erstmal strikte Bettruhe verordnet. Bewaffnet mit einer halben Apothekenladung an Erkältungsmedikamenten und einer Flasche Mineralwasser hatte ich mich dann aber dann doch entschlossen, den Termin durchzuziehen. Mein Hirn funktionierte schließlich noch, und es gibt halt Sachen, bei denen man den Mandanten schlecht hängen lassen kann, vor allem, wenn man im einstweiligen Anordnungsverfahren ist und viel davon abhängt.

Und was passierte: Die Luft im Gerichtssaal war so trocken, dass ich erstmal einen veritablen Hustenanfall bekam. Na toll. Reaktion des Richters:

"Frau Schwentker, wenn Sie 'ne Pause brauchen, sagen Sie Bescheid!"

Danke für das Angebot, ging dann aber doch noch so.

Wieder zu Hause war ich dann auch wirklich fix und alle. Aber richtig. Und mit welchem Satz begrüßt mich meine bessere Hälfte?

"Na, hast Du dem Richter schön was gehustet?!"

Touché.


Freitag, 16. Oktober 2015

Manchmal bekommt man von Mandanten mehr, als man eigentlich will.


Fiese Erkältungen zum Beispiel. 

Mein Hirn funktioniert noch, aber meine Stimme ist doch ziemlich angeschlagen. In schlechten Momenten kann ich nur noch kieksen, und das hört sich selbst für meine eigenen Ohren ziemlich merkwürdig an. Vor längeren Diskussionen über rechtlich strittige Sachverhalte drücke ich mich dementsprechend heute, oder besser: Ich versuche mich auf meine ostwestfälischen Wurzeln zu besinnen und mich möglich kurz zu fassen. Teilweise habe ich das inzwischen nämlich verlernt, und insofern ist das eine ziemliche Herausforderung, schon alleine, weil es ja auch zu meinem Job gehört, den Leuten rechtliche oder auch tatsächliche Sachverhalte zu erklären.

Vorgestern Abend fing es an, gestern im Laufe des Tages wurde es immer schlimmer (es hilft auch nicht, wenn man noch lautstark nach einem Gerichtstermin gegen den Straßenlärm der B68 mit einem Mandanten andiskutieren muss), und um Viertel vor 9 war mir dann klar, dass es für alle Beteiligten sinniger wäre, wenn ich mich direkt ins Bett begebe und nicht erst noch über Los gehe.

Heute beschränke ich mich also so gut es eben geht darauf, die schriftlichen Teile meines Jobs zu erledigen. Mein Kopf und meine Finger sind ja schließlich noch einsatzbereit, also werde ich den Rest des Arbeitstages wohl eher stumm und tippend verbringen. Und mir zwischendurch eine riesige Tasse heiße Milch mit Honig gönnen.

Sie können mir glauben - ich mache drei Kreuze, dass das Wochenende vor der Tür steht! 

Dienstag, 13. Oktober 2015

Unterhalt mal umgekehrt: Wieviel muss man verdienen, um Unterhalt für ein Kind zahlen zu können?

Ich will jetzt nicht behaupten, dass wir Anwälte süchtig nach Tabellen wären, aber sie erleichtern uns unsere Arbeit schon ungemein...

Im allgemeinen guckt man im Unterhaltsrecht ja in die Düsseldorfer Tabelle, wenn man die Höhe des  Unterhalts bestimmen will, den jemand für sein Kind (oder seine Kinder) zahlen muss.

Fragen wir jetzt aber mal andersherum: Wieviel muss man verdienen, um überhaupt dazu in der Lage zu sein, Unterhalt für seine Kinder bezahlen zu können? 


Sie ahnten es ja wahrscheinlich schon: Die Antwort lautet natürlich, "Es kommt darauf an." Und zwar darauf, wieviele Kinder welchen Alters zu versorgen sind. Aber auch dafür gibt es Tabellen, die auch die Steuern und Sozialabgaben mit berücksichtigen und die sogar regelmäßig aktualisiert werden. Sie sind zwar nicht auf den Cent genau, helfen aber schon einmal weiter.

Im Moment sieht es demnach so aus, dass man bei zwei Kindern ein monatliches Brutto von rund 2.480,00 EUR haben muss, um den Mindestunterhalt zahlen zu können, bei drei Kindern sogar 2.940,00 EUR.

Bei nur einem Kind sollten es schon ungefähr 2.030 EUR brutto sein, was dann einem Netto von rund 1.316,00 EUR entspricht. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden entspricht das einem Stundenlohn von ungefähr 11,80 EUR, brutto natürlich. Und wir reden hier von einem Kind, das höchstens fünf Jahre alt ist.

Hmmmm. 11,80 EUR. Das sind immerhin 3,30 EUR mehr als der aktuelle Mindestlohn. Was sagt uns das? Der Mindestlohn ist zu niedrig, um Unterhalt für auch nur ein Kleinkind zahlen zu können. Kein Wunder also, wenn so viele Mütter bei der Unterhaltsvorschusskasse vorstellig werden müssen. Nur so ein Gedanke.

Nehmen wir mal an, jemand hätte für drei Kinder von 13, 15 und 17 Jahren aufzukommen. Dann käme er auch mit den 11,80 EUR nicht hin; er bräuchte mal locker 21,30 EUR. Dürfte für manchen auch nicht so einfach sein...


Montag, 12. Oktober 2015

So eine Sch... !

Kommt eine Mandantin vorbei und drückt mir die restlichen drei Blätter ihres ALG II-Bescheides in die Hand und entschwindet wieder. Sie hat es eilig.

Da stehe ich nun vor meinem Schreibtisch, habe die Zettel in der Hand, denke mir noch: "Was riecht hier so komisch?" Die Antwort war einfach, ich fand sie, als ich die Blätter umdrehte. Jetzt weiß ich auch, warum meine Mandantin es so eilig hatte...

Liebe Mandanten. Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie Haustiere haben. Es ist auch völlig in Ordnung, dass Haustiere auch ab und an mal auch mal sch... müssen. Aber bitte schön nicht auf wichtige Unterlagen, und erst recht nicht auf solche, die Sie mir noch in die Hand drücken wollen! 

Freitag, 9. Oktober 2015

Wie privat ist eigentlich eine Scheidung?

Wenn zwei Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass es besser ist, sich scheiden zu lassen, dann sollte das auch nur diese beiden Menschen etwas angehen, oder nicht? Okay, vielleicht noch ihre Kinder, aber ansonsten?


Ganz so privat ist das Ganze dann doch nicht, immerhin wird ein Scheidungsbeschluss immer noch vom Familienrichter ausgesprochen (und das sogar, während er ganz unvirtuell vor einem sitzt. Vergessen Sie den Quatsch mit der Online-Scheidung. Online ist noch nie jemand in Deutschland geschieden worden!) 

Mit diesem besagten Scheidungsbeschluss geht gleichzeitig auch eine Änderung des Familienstandes, also eine öffentliche Tatsache, einher. Also haben wir im Grunde auch ein Recht darauf zu wissen, was da verkündet wird.

Bevor Sie jetzt alle die Gerichtssäle dieser Republik stürmen: Diese öffentliche Verkündung läuft in der Praxis relativ unspektakulär ab, quasi per Knopfdruck.

Wenn Sie sich mal in Gerichten umgucken, dann finden Sie an jedem Gerichtssaal eine Lichttafel, die anzeigt, ob die gerade laufende Verhandlung öffentlich ist oder nicht. Familiensachen sind grundsätzlich nichtöffentlich, also auch der Scheidungstermin. Draußen an der Tafel leuchtet also "nichtöffentlich auf".

Nachdem der Richter die Beteiligten dazu angehört hat, ob man denn tatsächlich geschieden werden will und sich nicht vorstellen kann, noch einmal zusammen zu leben, dann drückt er auf einen kleinen Knopf, der die Lichttafel draußen bedient, und das "nicht" verschwindet. Damit ist die Verkündung des Scheidungsbeschlusses öffentlich, und rein theoretisch könnten nun alle, die draußen auf dem Flur warten, reinkommen.

Rein theoretisch. Praktisch fällt es meist überhaupt keinem auf, wenn das Zeichen lautlos umspringt. Man starrt ja auch nicht darauf wie auf eine Ampel. Und abgesehen davon: In den allermeisten Fällen sind die Beteiligten eine Minute später auch schon wieder draußen auf dem Flur und können alles haarklein erzählen...

Sobald der Scheidungsbeschluss verkündet ist, drückt der Richter übrigens wieder seinen Knopf, und wie aus dem "Nichts" erscheint wieder das "nicht". Das muss kurz sein, weil noch der Streitwert festgelegt wird, und da der sich auch daraus errechnet, welches Einkommen die nun geschiedenen Ehegatten haben, geht das die Öffentlichkeit dann wieder nichts an. Meist ist das aber in dreißig Sekunden erledigt.

Meist werden Scheidungstermine an den Familiengerichten im Halbstunden- oder sogar im Zwanzig-Minuten-Takt angesetzt. Sie können ja mal rechnen, wie oft ein Familienrichter an solchen Tagen seinen Knopf drückt...! 

Freitag, 2. Oktober 2015

Heute ist gestern schon morgen



Da bekomme ich heute eine Umladung vom Gericht. Was an sich nichts Ungewöhnliches ist.

Wenn ein Verhandlungstermin aus welchem Grunde auch immer ausfallen muss, dann werden eben die Beteiligten umgeladen. Für mich ist der Begriff ganz normal, aber meinen Mandanten kann ich manchmal förmlich ansehen, dass sie an zwei Lkw denken, die nebeneinander stehen, und an Europaletten, die zwischen den beiden mit dem Stapler hin- und hergefahren werden...

Wie auch immer.

Wirklich erstaunlich ist aber, dass der Termin, von dem ich umgeladen wurde, schon gestern hätte stattfinden sollen, und dass das Umladungsschreiben vom 09.09.15 stammt.

Hmmmm. Habe ich da was verpasst? Wenn ja, dann wäre es ja nicht schlimm, weil die Verhandlung ja auf November verschoben wurde...?

Trotzdem... ich schnappte mir also die entsprechende Akte und stellte fest, dass ich doch (noch) nicht spinne. Die Umladung hatte ich tatsächlich schon vor ein paar Wochen bekommen, nur das Schreiben der Gegenseite, das noch dahintergetackert war, war mir neu.

Okay, damit hatte ich den eigentlichen Grund, weshalb überhaupt Post an mich herausgegangen war. Und ansonsten:

Besser doppelt als überhaupt nicht! 






Donnerstag, 1. Oktober 2015

Ich sehe blaue Punkte...

... und das, obwohl mir gar kein Sams gegenüber sitzt! 


Anfang des Monats macht Frau Anwältin ja immer ihre Planung, was denn so während der nächsten vier bis viereinhalb Wochen ansteht (zumindest die Termine, die man jetzt schon weiß). Und ein blauer Punkt in meiner Monatsübersicht in meinem Filofax steht immer für einen Gerichtstermin. Und für den Oktober sehe ich da ziemlich viele blaue Punkte... 

Das liegt zum einen daran, dass ich im September ja im Urlaub war (Richter sind da sehr gnädig und legen dann einen Termin um, wenn man Bescheid sagt), und zum anderen pendelt sich der Normalbetrieb am Amtsgericht Halle (Westf.) wieder ein, an dem ich ja doch öfter mal zu finden bin.

Hintergrund ist, dass wir nicht nur eine neue Amtsgerichtsdirektorin bekommen haben, sondern auch, dass sich darüber hinaus das Richterkarussell dort doch ziemlich schnell gedreht hat, was sich bei einem kleinen Amtsgericht mit gerade einmal sechs Richtern natürlich richtig bemerkbar macht, denn jeder Richter muss sich ja auch erst wieder in die Fälle einarbeiten, die sein Vorgänger/seine Vorgängerin ihm hinterlassen hat. Mitunter sind deshalb auch Sachen länger geblieben, die es eigentlich nicht sollten, aber was will man machen?

Jetzt geht wieder alles in "normalen" Bahnen, und der noch vorhandene Arbeitsstau wird jetzt abgearbeitet. Und wenn ich meinen Terminkalender so angucke, dann funktioniert das bis jetzt ziemlich effektiv...

Dienstag, 29. September 2015

Rammdösig ... Teil 1

Wissen Sie, was so ziemlich die nervtötenste Arbeit ist, die in einer Anwaltskanzlei anfallen kann?

Richtig: Kontoauszüge kopieren.

Nicht die eigenen, wohlgemerkt. Die der Mandanten.

Für Sozialsachen. 

Für die Beantragung von Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe und zur Not auch für Beratungshilfe. 

Um nachzuweisen, dass eine Zahlung tatsächlich erfolgt ist. 

Um nachzuweisen, dass eine Zahlung tatsächlich nicht erfolgt ist. 

Das blöde ist, dass Sie meist nur zwei Auszüge auf eine Seite bekommen und sie auch nicht durch den automatischen Vorlageneinzug jagen können. Gleichzeitig müssen Sie noch aufpassen, die einzelnen Auszüge nicht verrutschen, so dass die letzte Ziffer auf der Kopie abgeschnitten ist... kurz gesagt: Es macht einen rammdösig.

Warum können Kontoauszüge nicht einfach so wie alles andere auch im DIN/A4-Format kommen?






Donnerstag, 24. September 2015

Asterix und Obelix lassen grüßen!

Quelle: Deutsche Post AG
Ich finde es ja herrlich, wenn Humor von einer Seite kommt, von der man es nicht wirklich erwartet. Da hat mir die Post diese Woche eine echte Überraschung bereitet: Ja, es gibt tatsächlich Briefmarken mit Asterix und Obelix. Besonders die von Obelix finde ich ja persönlich sehr gelungen...

Kann ich als Anwältin aber Briefe mit Asterix und Obelix verschicken? 

(Ja, ich verschicke meine Post immer noch mit Briefmarken. Frankiermaschinen sind einfach nicht meins. Viel zu unpersönlich. Und so eine Marke ist schnell geklebt.) 

Ich habe schon Briefmarken nicht erworben, weil sie mir einfach zu unpassend erschienen. Es wäre ja schon komisch, wenn ich ein bitterböses Schreiben an eine Gegenseite verschicke, und auf der Briefmarke steht dann so etwas wie "Liebe Grüße"... dann nehme ich doch lieber etwas Neutraleres.

In Sachen Asterix habe ich aber beschlossen, mich selbst nicht ernster zu nehmen, als es zwingend sein muss. Außerdem verschicke ich ja auch gerne durchaus erfreuliche Post, und dann kann ein Grinsen beim Anblick der Briefmarke nun wirklich nicht schaden, oder? 


Dienstag, 22. September 2015

Scanne ich mich bald zu Tode?

Sind wir doch mal ehrlich: Wir Anwälte sind Papierkrieger. Und zwar im doppelten Sinne. Zum einen fechten wir unsere Duelle oft genug mit Hilfe von Schriftsätzen aus, und zum anderen bekommen wir immer wieder Unmengen von Papier auf den Schreibtisch.

Gleichzeitig steht der Justiz aber auch eine gewaltige Neuerung ins Haus, die vieles über den Haufen (oder den Papierstapel?) werfen wird: Das "beA" kommt im Januar, das "besondere elektronische Anwaltspostfach". 

Im Grunde heißt das, dass wir unsere Korrespondenz mit den Gerichten dann nur noch elektronisch führen werden. Jedenfalls ist das der Plan. Wir Anwälte werden dazu im Moment auch mit Informationen geradezu bombardiert, zum Beispiel, dass man sich eine Signaturkarte orden muss und welche technischen Voraussetzungen in der Kanzlei erfüllt sein müssen, um überhaupt Post über das beA empfangen oder versenden zu können.

Letztlich ist das ganze ein Schritt in Richtung Utopie: Das papierlose Büro. Wird es irgendwann tatsächlich Lebenswirklichkeit sein?

Im Moment habe ich da noch so meine Zweifel.

Es ist zum Beispiel nicht vorgesehen, dass wir mit unseren Mandanten ebenso elektronisch korrespondieren müssen, Das bedeutet, dass wir in Zukunft auch immer noch Briefe an unsere Mandanten schicken (es sind schließlich immer noch nicht alle online) und Papierstapel von ihnen bekommen. Und alles das, was an Papier hereinkommt, könnte ja so wichtig sein, dass man es eines schönen Tages mal bei Gericht einreichen muss. Heutzutage ziehe ich einfach eine Kopie und tackere sie an den Schriftsatz. Demnächst darf ich dann stattdessen alles einscannen.,, am besten schon in dem Moment, in dem das Papier bei mir ankommt.

Verstehen Sie mich richtig: Ich bin durchaus fortschrittlich orientiert. Wäre ich das nicht, würde ich alle meine Schriftsätze noch mit einem Nadeldrucker drucken, so wie es noch einige ältere Kollegen gemacht haben, als ich damals als Jungspund anfing. Die Zeit von Schreibmaschine und Durchschlagpapier war auch da schon zum größten Teil vorbei.

Ich setze mich im Moment nur mit der Frage auseinander, was dieses besondere elektronische Anwaltspostfach für die Arbeitsabläufe in meinem Büro bedeutet. Was muss ich machen, wenn der Strom ausfällt? Was, wenn ich im Urlaub oder krank bin? Im Grunde fingiert dieses beA ja die ständige Anwesenheit des Anwalts und kann damit lustig auch kurze Fristen in Gang setzen. Nicht, dass unser Job nicht schon stressig genug wäre.

Das sind alles Sachen, über die ich mir im Moment Gedanken mache, aber ja aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur ich: Den anderen Kollegen wird es auch nicht anders gehen.

Trotzdem bekommt es der Mandant nicht mit, was eigentlich schade ist - er soll ja schließlich wissen, für welche Arbeit er seinen Anwalt bezahlt, oder?

Donnerstag, 17. September 2015

Konkrete Hilfe für Flüchtlinge

Mal nicht in eigener Sache.



Ich war eben in Sandforth im Übergangswohnheim und habe ein paar Sachen dorthin gebracht. Was mich sehr beruhigt hat: Ich war nicht die einzige. Halle hilft.

Es werden aber trotzdem noch zahlreiche Dinge wie Gläser, Bettzeug, Dosenöffner, Wäscheständer, Handtücher, Töpfe, Eimer, Besen etc. gesucht und gebraucht. Ganz einfache Sachen, die wahrscheinlich jeder von uns im Überfluss hat.

Die Stadt Halle (Westf.) hat auf ihrer Homepage eine Seite zur Flüchtlingshilfe eingerichtet. Hier ist der Link: 


Hier findet man auch eine Liste mit Sachen, die dringend benötigt werden. Die Liste wird wöchentlich aktualisiert. Kleidung und Bettzeug können bei der Kleiderkammer in der Bismarckstraße abgegeben werden, alles andere direkt im Übergangswohnheim. Die Annahmezeiten stehen auf der Homepage.

Eine kleine Anmerkung noch: Auf der Homepage hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, der so manches Navi in die Irre leiten wird: Es  ist als Adresse die Sandforther Straße 47 angegeben. Tatsächlich ist es aber die Gütersloher Straße 47 (das alte Altenheim). 


Dienstag, 15. September 2015

Einfach mal die Seele baumeln lassen...

... muss auch mal sein! (Und ja, danke der Nachfrage, auch Anwälte haben eine Seele, die man mal baumeln lassen muss!)


Meine Seele baumelte also, und zwar genau hier: Bei einer kleinen abendlichen Bootstour auf dem Beech Hill Pond in Otis/Maine.

Quelle: wikipedia.org

Maine liegt ganz im Nordosten der USA, ist der am allerwenigsten religiöse der 50 Staaten und besteht zum Großteil aus Wald und Seen. Außerdem leben dort nur ungefähr 1,3 Millionen Menschen, was ungefähr 14 pro Quadratkilometer entspricht (nur zum Vergleich: bei uns sind es 227!). Es ist also angenehm menschenleer dort.

Nur für den Fall, dass Sie sich fragen, was uns ausgerechnet dorthin verschlagen hat: Wir haben Freunde da, die uns jedes Jahr wieder aufs Tapferste ertragen (müssen).

Nun sitze ich also wieder hier am Schreibtisch, wühle mich durch Aktenberge und versuche, die sechs Stunden Zeitunterschied mit Kaffee zu kompensieren, während es draußen vor sich hin schüttet. Aber ab und zu schließe ich doch mal kurz die Augen und lasse die Seele ein paar Sekunden baumeln... 






Mittwoch, 26. August 2015

Wie blöd kann man sein, dieses Schreiben ausgerechnet an eine Anwaltskanzlei zu faxen?

Gucken Sie mal, was ich eben bekommen habe:
Ist das nicht drollig? Ich könnte in den nächsten Monaten um geschlagene 16.000.000,00 Dollar reicher werden...

Allerdings hat der gute Mann zum einen noch nicht einmal meinen Namen richtig hinbekommen, und zum anderen könnte ich ihm als passionierte Familienforscherin glatt noch den entsprechenden Stammbaum vorlegen, dass garantiert keiner aus meiner Familie 2008 in Spanien das Zeitliche gesegnet hat...

Ich find's aber niedlich, dass sich der Mann tatsächlich "Reichtums-Berater" nennt. Vielleicht sollte ich über eine solche Bezeichnung auch mal nachdenken... nein danke, ich bleibe bei "Rechtsanwältin".

Wenn Sie also auch mal so ein Schreiben bekommen - werfen Sie es in den nächsten Mülleimer. Ich hab's auch getan. 

Sonntag, 16. August 2015

Eine wunderschöne Urteilsbegründung

Es kommt ja nicht allzu oft vor, dass deutsche Fachzeitschriften ausländische Urteile abdrucken, und dann auch noch im Orgininaltext.



Wenn das passiert, dann können Sie ahnen, dass es sich um eine besondere Entscheidung handelt. Diesen Monat war es mal wieder soweit. Wir Familienrechtler konnten nachlesen, weshalb der US-Supreme Court die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt hat, und zwar für alle Staaten der USA:

"No union is more profound than marriage, for it embodies the highest ideals of love, fidelity, devotion, sacrifice, and family. In forming a marital union, two people become something greater than once they were. As some of the petitioners in these cases demonstrate, marriage embodies a love that may endure even past death. It would misunderstand these men and women to say they disrespect the idea of marriage. Their plea is that they do respect it, respect it so deeply that they seek to find its fulfillment for themselves. Their hope is not to be condemned to live in loneliness, excluded from one of civilization's oldest institutions. They ask for equal dignity in the eyes of the law. The Constitution grants them that right." 

Für alle, die gerne eine Übersetzung hätten:

"Keine Verbindung ist tiefergehender als die Ehe, denn sie verkörpert die höchsten Ideale von Liebe, Treue, Hingabe, Aufopferung und Familie. Wenn sie eine eheliche Verbindung eingehen, dann werden zwei Menschen zu etwas Größerem als sie es vorher waren. Wie manche der Kläger in diesen Verfahren zeigen, verkörpert die Ehe eine Liebe, die sogar den Tod überdauern kann. Man würde diese Menschen falsch verstehen, wenn man behauptete, dass sie die Idee der Ehe nicht respektierten. Ihr Anliegen ist, dass sie sie sehr wohl respektieren, dass sie danach streben, diese Erfüllung für sich zu finden. Ihre Hoffnung ist, nicht zu einem Leben in Einsamkeit verdammt zu sein, ausgeschlossen von einer der ältesten Institutionen unserer Zivilisation. Sie fordern die gleiche Würde in den Augen des Gesetzes. Die Verfassung gibt ihnen dieses Recht." 

(Die Übersetzung stammt von mir, also bitte ich, kleine sprachliche Holprigkeiten zu entschuldigen oder einfach zu ignorieren.)

Hat was für sich, oder? 

An dem Tag, als diese Entscheidung herauskam, haben die meisten meiner amerikanischen Freunde gleich ihr Profilbild auf Facebook in Regenbogenfarben eingefärbt, darunter übrigens auch zwei Pastorinnen...

Mich hat's auch aus ganzem Herzen gefreut, obwohl ich ja seit knapp 20 Jahren freiwillig glücklich unverheiratet bin. Ich bin ganz einfach der Meinung, dass die Rechte eines Menschen nicht von seiner sexuellen Orientierung abhängen dürfen. Die Zeiten, in denen das so war, sollten wir gesellschaftlich hinter uns gelassen haben.

Wenn ich dann noch höre, dass sich manch Politiker trotzdem noch dagegen ausspricht, weil a) die gleichgeschlechtliche Ehe nicht im Koalitionsvertrag stünde (was soll das bitte für ein Argument sein, wenn es um Diskriminierung geht?!) und b) sie nicht dem christlichen Weltbild entspräche (ist das eigentlich wirklich so?), dann darf ich hier mal eine Sache anmerken:

In Deutschland haben wir die obligatorische Zivilehe, das heißt, dass eine Ehe vor einem Standesbeamten geschlossen werden muss, damit sie rechtliche Wirkungen entfalten kann. Darauf, ob zusätzlich noch eine religiöse Zeremonie stattfindet, kommt es nicht an. Die Ehe ist also als Institut staatlich geregelt. Deshalb muss auch der Staat dafür sorgen, dass es in diesem Bereich gleiche Rechte gibt. 

Es wird Zeit, dass wir da hinkommen. 

Montag, 3. August 2015

Fast hätte ich meinen eigenen Verkehrsunfall regulieren können. Vom Himmel aus.

Oder kommen Anwälte direkt in die Hölle?! 

Blöde Scherze mal beiseite - ich habe heute richtiges Glück gehabt.

Als ich heute Morgen um 10 vor 7 aus dem Haus kam und mich in mein Autochen setzte, da lag ich noch gut im Zeitplan.

Dreißig Sekunden später war das anders.

Beim Zurücksetzen aus dem Carport machte Autochen nämlich Geräusche, die ein Auto definitiv nicht machen sollte. So in der Kategorie "richtig übel".

Ich hatte schon den Verdacht, dass da mal wieder ein Marder sein Revier markiert hatte, aber für den Moment war das egal: Ich brauchte ein Auto! Und mit meinem wollte ich noch nicht einmal vom Hof fahren. (Wie sich später zeigen sollte, war diese Entscheidung auch goldrichtig.) 

Also tut eine Tochter das, was eine Tochter tut, wenn sie ein Problem hat: Sie ruft ihre Mutter an, egal, ob die gerade noch schläft oder nicht. "Brauchst Du Euer Auto heute unbedingt?"

Ein leicht verschlafenes "Nicht unbedingt" und zehn Minuten später stand die beste Mutter der Welt samt fast vollgetanktem Auto vor meiner Tür. Und ungefähr weitere siebeneinhalb Minuten später war sie von mir abgesetzt wieder zu Hause und ich unterwegs.

Gegen sieben Uhr abends bekam sie ihr Auto dann auch wieder. Heile.

Wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hatte, war bei meinem kleinen Schwarzen die linke vordere Feder gebrochen. Oder konkreter: Abgebrochen. Dürfte eigentlich nicht passieren, ist es aber. Das abgebrochene Teil lungerte also an Stellen herum, an denen es überhaupt nicht hätte herumlungern sollen, weil es mit seiner scharfen Kante gut und gerne den Reifen bei voller Fahrt anspitzen kann. Oder das Rad bei voller Fahrt blockieren. Oder den Bremsschlauch kaputtmachen. Oder die Lenkung blockieren. Oder alles zusammen.

In den nächsten Tagen werde ich autotechnisch also improvisieren. Wird wohl auch ohne Mietwagen gehen. Und sollte ich mich drüber ärgern, dass ich autolos bin, dann wird mir mein kleiner Schutzengel, den ich heute definitiv hatte, hoffentlich einen Vogel zeigen.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Die rasierte Amtsgerichtsmauer

Kennen Sie den Parkplatz vom Haller Amtsgericht? Nein?

Dieser Parkplatz hat genau zwei Haken. Zum einen ist er im Grunde viel zu klein und deshalb tagsüber immer proppevoll. Zum anderen liegt er direkt an der ebenfalls immer vollen B68, und das auch noch nach einer ganz leichten Kurve direkt nach einer Kreuzung, so dass es ziemlich schwierig ist, ihn auch wieder heile zu verlassen. Offiziell darf man auch nur nach rechts Richtung Steinhagen abbiegen.

Irgendjemand scheint da Probleme gehabt zu haben, denn im Moment ist der Parkplatz dank eines Baugerüsts an der alten Mauer zur Kreuzungsseite nochmal um zwei Stellplätze kleiner. Ich weiß nicht, wie das passiert ist, aber da muss jemand direkt an der B68 gegen die Mauer gefahren sein, und das immerhin so heftig, dass sie nun an manchen Stellen fast einen halben Meter kürzer ist...

Bevor Sie fragen: Nein, ich war's nicht. Anwaltsehrenwort.

Das Ironische ist nur, dass man bei der "rasierten" Mauer nun viel besser nach links gucken kann, wenn man den Parkplatz verlassen will. Dürfte das Unfallrisiko um einiges reduzieren, denn es ist wirklich eine blöde Ecke.

So herrlich ich persönlich auch alte Mauern finde; Vielleicht sollte man sich also doppelt überlegen, ob man wirklich den ursprünglichen Zustand wiederherstellen will...

Dienstag, 28. Juli 2015

Die neue Düsseldorfer Tabelle, Stand: 1. August 2015

Wer Unterhalt zahlt oder bekommt, der sollte sich einmal den Link hier zur neuen Düsseldorfer Tabelle angucken:

http://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_tabelle/Tabelle-01_08_2015/index.php

Das wird wohl die Version der DT mit der geringsten Laufzeit in der Geschichte werden, denn zum 01.01.16 wird schon wieder eine neue kommen... immer mit dem Tenor, dass der Kindesunterhalt um ein paar Euro erhöht wird. Soll heißen: Die "neue" Düsseldorfer Tabelle wird gerade einmal fünf Monate aktuell sein, bevor sie wieder geändert wird. 

Das heißt aber auch, dass Unterhaltsberechnungen in der nächsten Zeit eher Sisyphus-Arbeit sein werden... kein Wunder, wenn innerhalb eines Jahres für ein und dassselbe Kind gleich drei verschiedene Unterhaltsbeträge fällig werden. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht zu wenig für seinen Mandanten fordert...



Mittwoch, 22. Juli 2015

Jetzt darf jeder sein eigenes Süppchen kochen... aber eben nicht am Herd.

Hatte ich nicht neulich schon mal was über Schnellschüsse in der Gesetzgebung geschrieben...?

Wie es aussieht, hat unser Bundesverfassungsgericht mal wieder etwas genauer hingeguckt als alle anderen davor und entschieden, dass der Bund für das Betreuungsgeld überhaupt nicht zuständig ist, sondern die Länder.

Ups.

Ich habe mir mal selbst den Spass gemacht und einen Blick in unser Grundgesetz geworfen. Man wird es vielleicht nicht glauben, aber in der täglichen Arbeit im Anwaltsberuf braucht man unsere Verfassung doch eher selten, so wichtig sie auch als solche ist.

Und siehe da - ich habe auch keine Vorschrift gefunden, die dem Bund die Regelungsbefugnis für so ein Unterfangen überträgt. Und wenn der Bund nicht zuständig ist, dann sind es eben die Länder... hätten wir alle mal vor zwei oder drei Jahren nachgeguckt, wer denn nun welche Gesetzgebungskompetenz hat, dann hätten wir uns das ganze Verfahren jetzt sparen können. Traurig, aber wahr. 

Andererseits finde ich es doch äußerst schade, dass das BVerfG bei seiner Prüfung gar nicht dazu gekommen ist, zum Inhalt des Gesetzes etwas zu sagen, denn das hätte mich nun wirklich interessiert! Wenn man die Rechtmäßigkeit eines Gesetzes prüft, dann fängt man nämlich mit den formellen Voraussetzungen an, bevor man sich genauer mit dem Inhalt und dessen Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz auseinandersetzt... habe ich alles mal an der Uni gerlernt. Ist aber schon lange her.

Wie geht es nun weiter mit dem Betreuungsgeld? 

Gucken wir mal - wahrscheinlich wird jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kochen. Bayern hat ja schon verlauten lassen, weiter Betreuungsgeld auszahlen zu wollen. Bei den SPD-regierten Ländern kann ich es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man sich dem anschließen wird. Was ich mir vorstellen kann ist, dass man den Familien, denen bis gestern ein Bewilligungsbescheid vorlag, auch weiterhin das Geld auszahlt, schon allein um zu verhindern, dass nun alle loslaufen und sich die letzten noch verbliebenen Kita-Plätze sichern wollen. Soll heißen: Wer sich darauf eingerichtet hat, Betreuungsgeld zu bekommen und deshalb keine Betreuung organisiert hat, der soll darauf auch vertrauen können, dass das tatsächlich passiert.


Montag, 13. Juli 2015

Schnellschüsse in der Gesetzgebung

Ich sitze hier gerade ziemlich fassungslos und gucke mir die Pressekonferenz meiner Namensvetterin zur Einigung in Sachen Griechenland nach 15stündiger Verhandlung an.

Frau Merkel hat soeben verkündet, dass das griechische Parlament innerhalb der nächsten 72 Stunden diverse Gesetze verabschieden wird, die dann das Verhandlungsergebnis aus Brüssel in die Tat umsetzen sollen. Und dabei geht es eben nicht um Peanuts. Im Gegenteil. Alles, was in den letzten fünf Jahren nicht passiert ist, soll nun innerhalb von drei Tagen durchs Parlament gepeitscht werden.

Viel Glück dabei.

Ich sehe es mal wieder auch aus der juristischen Perspektive.

Wenn ich bedenke, wie lange es hier in Deutschland mitunter dauert, bis Gesetze verabschiedet werden und in Kraft treten, dann sehe ich diese Unternehmung doch mit einer gewissen Skepsis. Gesetze, die im Schnellschussverfahren zusammengezimmert werden, haben meistens den Haken, dass sie handwerklich schlecht gemacht sind. Bei der tatsächlichen Umsetzung können diejenigen, die dann tatsächlich damit arbeiten müssen, oft nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. 

Ich plädiere ja sowieso immer schon dafür, dass man mehr Praktiker (nein, nicht Lobbyisten, Praktiker) an den Entwürfen arbeiten lässt, aber dafür bleibt in Griechenland wohl kaum Zeit. Nicht unter diesem zeitlichen Druck.

Ich denke also mal, dass noch weitere Akte in der Tragödie folgen werden.


Donnerstag, 9. Juli 2015

Gräfin Zahl

Ich liebe meinen Kindle. Und auch die Tatsache, dass man so schön einfach Leseproben darauf ziehen und sie dann wieder verwerfen kann.

Neulich las ich also in einer solchen; das Thema des Buches war - auf den Punkt gebracht - Minimalismus. Die Autorin verkündete im Vorwort, dass sie insgesamt nur noch 300 Teile besitzt und superhappy damit ist. Schön für sie.

Ich dachte nur, "Meine Güte - ich habe wahrscheinlich allein schon mehr als 300 Stifte. Und zählt die ihre Socken doppelt?"

Die Sache ließ mir keine Ruhe. Fragen Sie mich nicht warum, aber ich setzte mich tatsächlich hin und zählte meine Stifte. Mein Job liefert mir in dieser Hinsicht ja immer gute Gründe...

Ich kam auf 423. In Worten: Vierhundertdreiundzwanzig. 

Und ich fürchte, dass ich diejenigen, die ich in meiner Kommode als Ersatz für harte Zeiten bunkere, dabei sogar vergessen habe.

Ich habe dann zwar nicht angefangen, auch noch meine Socken zu zählen, aber es reichte auch so, dass ich zu dem Schluss kam, dass Minimalismus wahrscheinlich nichts für mich sein dürfte.

Gut, diverse Werbekulis sind inzwischen im Müll gelandet. Der Rest wird benutzt, bis er uppe ist.

Sie fragen sich, was mit der Leseprobe passiert ist: Ganz logisch - ich habe sie wieder gelöscht.

Man muss ja nicht alles behalten, nur weil es da ist.

Dienstag, 7. Juli 2015

It ain't over till it's over...

Erstaunlich - kaum heißt es, dass der Streik um Mitternacht offiziell enden wird, hat man schon wieder Post  und sieht auch tatsächlich dunkelblau-gelb gekleidete Gestalten, die Postkästen leermachen und fast von einer Flut von Briefen erschlagen werden, ganz so als wollten sie sagen, "Gut, eigentlich arbeiten wir erst ab morgen wieder, aber was soll's - gemacht werden muss es ja sowieso!"

Trotzdem war der gestrige Tag für mich nicht ganz so einfach wie gehofft: Das Dauergewitter am Sonntag hatte hier in Eggeberg zu allem Überfluss auch noch das Internet lahmgelegt. Nichts ging mehr, auch nicht, als ich gestern Morgen um 10 vor 7 zu einem Auswärtstermin aufbrach. Als ich abends um sechs wieder hier war, hatte sich die Störung aber auch wieder erledigt - die Ampelkreuzung in Werther war zwar immer noch ausgefallen, aber was soll's, dann muss man halt ein bisschen vorsichtiger fahren...

Trotzdem - wenn ich mir den Tarifabschluss bei der Post so angucke, dann bin ich mir so überhaupt nicht sicher, ob sich die ganze Streikerei mit ihren ganzen Folgen dafür gelohnt hat. So ein Ergebnis hätte man auch am Verhandlungstisch erzielen können, oder nicht?

Ich warte jedenfalls noch darauf, dass die Riesenladung Post, die in den letzten Wochen wer-weiß-wo steckengeblieben ist, bei mir auftaucht. Da fehlt mir hier nämlich noch einiges. Vielleicht steht ja irgendwann ein Postsack vor unserer Haustür... vielleicht bleiben die Sachen aber auch für immer verschollen. Ich will da keine Prognose wagen.

Es ist eben nicht vorbei - bevor es nicht vorbei ist.

Samstag, 4. Juli 2015

Mit dem AK Rückenwind in Hamburg - Teil 2

Tag 2, Dienstag. 


Morgens los mit dem Bus, wieder in Richtung Altona - langsam kennen wir den Weg. Dieses Mal geht es zur Beratungsstelle Zündfunke e.V., die sich - nicht nur, aber auch - mit dem Thema "sexuelle Gewalt bei Migrationshintergrund" befasst. 

Auch hier gab es für mich wieder einige interessante Denkansätze, und die können mir wirklich nicht schaden. Mein eigener Migrationshintergrund beschränkt sich schließlich darauf, dass es einen meiner Urgroßväter im Ersten Weltkrieg aus Burg bei Magdeburg nach Halle (Westf.) verschlagen hat, weil er- auf welch verschlungenen Pfaden auch immer - meine zukünftige Uroma kennengelernt und sich in sie verliebt hatte. 

Großartige Stigmatisierungen musste Uropa Willy damals wohl nicht befürchten, jedenfalls auch nicht mehr als jemand, der von Bayern nach Ostwestfalen zieht. Was aber, wenn jemand schon allein durch sein Äußeres als "nicht von hier" auffällt und sich hauptsächlich in seiner "community" bewegt? Da können die Hemmungen, sich Hilfe von außen zu suchen, schon anders, vielleicht auch um einiges größer sein. Wenn dann noch andere "Baustellen" dazu kommen, zum Beispiel die Angst vor Abschiebung oder Ausweisung, dann kann es sein, dass ein Missbrauch im Verhältnis dazu einen ganz anderen - niedrigeren - Stellenwert bekommt. Aber auch hier muss man festhalten: Man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. 

Unsere Mittagspause verbrachten wir im "Sein" direkt gegenüber. Wir hatten Glück, sie hatten gerade neu eröffnet - es war der erste Tag des regulären Betriebes. Die Süßkartoffelsuppe kann ich uneingeschränkt empfehlen, auch wenn ich kein Foto davon gemacht habe. 

Über ebenjener Süßkartoffelsuppe entwickelte sich ein interessantes Gespräch über unser allseits beliebtes "Schubladendenken". Man merkte, dass das eben Gehörte in unseren Köpfen arbeitete. Ich für meinen Teil bin zu dem Schluss gekommen, dass man sich manchmal überhaupt nicht gegen das Schubladendenken wehren kann, auch wenn man es eigentlich will. Wir werden jeden Tag von derartig vielen Informationen zugeschüttet, dass man einen Weg finden muss, diese ganzen Informationen zu katalogisieren. Man sollte aber gefälligst dafür sorgen, dass man diese Schubladen im Kopf auch regelmäßig ausmistet. 

Wie man auf dem Foto vielleicht schon sehen kann: Das Wetter war schon mal wesentlich besser als am Tag davor, nämlich fast warm und bewölkt statt kalt und regnerisch. Das kann einen wesentlichen Unterschied machen! 

Und weil ich noch viel zu wenig von Hamburg kenne (außer der Reeperbahn hatte ich vor diesem Trip noch nicht allzu viel von dieser wirklich schönen Stadt gesehen, Schande auf mein Haupt), entschied ich mich, den Rest des Tages nicht mit Shoppen zu verbringen - das kann ich auch woanders -, sondern vom Jungfernstieg aus mit mit einer Dampferfahrt auf der Alster

 Ist schon erstaunlich, was auf dem Wasser so alles los ist...

Der gute Vorsatz jedenfalls steht: Eines schönen Tages werde ich wieder nach Hamburg kommen. Und dann werde ich mich auch in einen dieser Touristenbusse setzen, eine schöne lange Stadtrundfahrt machen und mir von hoffentlich kompetenten Leuten etwas über die Stadt erzählen lassen, vor allem, was ihre Geschichte angeht. Ich bin schon vor jedem blauen Schild, das ich gesehen habe, stehen geblieben und habe geguckt, was an genau dieser Stelle irgendwann mal passiert ist. Was soll ich sagen? Ich liebe gute Geschichten, und ich glaube, Hamburg hat eine Menge davon auf Lager. 

Tag 3, Mittwoch. 


Nein, heute ging es mal nicht nach Altona. Heute ging es direkt in die Innenstadt in die Nähe des Hauptbahnhofes, nämlich zu Basis Praevent am Steindamm. Das Thema: Jungen als Betroffene sexualisierter Gewalt. 

An dieser Stelle mal ein dickes Danke Schön an unseren Dozenten: Der Mann hatte sich eine dicke Erkältung eingefangen und gehörte eigentlich mit einem guten Buch ins Bett. Stattdessen hat er unsere Fortbildung durchgezogen, weil er wusste, dass unser Anreiseweg doch ziemlich lang war.  

Das Thema als solches ist natürlich nicht gerade eins, das man so leicht verdaut. Wie sehen die typischen Täterstragien aus, und welche geschlechtsspezifischen Auswirkungen hat sexualisierte Gewalt auf Jungen in der Pubertät? Gerade bei mir rief es auch Erinnerungen an einen bestimmten Fall wach, den ich während meiner Wahlstation im Referendariat, die ich damals ja in der Jugend- und Jugendschutzkammer des Landgerichts Bielefeld verbracht habe, hautnah miterlebt habe und der mir damals schon die Nackenhaare gesträubt hat. Das ist jetzt gute 13 Jahre her, aber trotzdem kann ich mich noch gut erinnern. Der Fall hätte hier als Schulbeispiel dienen können. Leider. Nur kann ich ihn heute in seiner Gesamtheit besser verstehen als damals. 

Nach einem verspäteten, aber gemütlichen und teils vegetarischem Mittagessen im Schanzenviertel mussten wir noch gerade unser im Hotel gebunkertes Gepäck abholen, und dann ging es vom Dammtor aus auch schon wieder mit der Bahn über Hannover nach Hause. Die Voraussage, dass wir uns wegen eines Defekts des Triebwagens wohl ein paar Minuten Verspätung einfangen würden, hat sich nicht bestätigt - schön, wenn die Bahn einen auch mal positiv überraschen kann. 

Kleines Fazit: 


Hamburg - gerne wieder! Aber dann zum Vergnügen als Städtetrip, um ein richtiges Gefühl für die Stadt zu bekommen. Ich habe es zum Beispiel immer noch nicht in die Speicherstadt geschafft, und die möchte ich wirklich gerne mal sehen. 

Die Fortbildung selbst - hat sich gelohnt, definitiv. Nicht nur die Veranstaltungen als solche, sondern auch die Tatsache, dass wir ja interdisziplinär unterwegs waren. Falls mich mal jemand fragen sollte: Ich kann jedem Juristen nur raten, auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu gucken, was das Fachgebiet denn aus anderer Perspektive noch so mit sich bringt! 





Dienstag, 30. Juni 2015

Die Post streikt immer noch - oder: Langsam komme ich der Schmerzgrenze näher

Ganz ehrlich - ich hätte nicht gedacht, dass der Streik bei der Post so lange dauert, und wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist noch immer kein Ende abzusehen.

Das wirklich Blöde ist eben, dass ich zwar weiß, was hier bei mir ankommt (und oft genug auch, was eigentlich ankommen müsste), aber eben nicht, welche meiner Schreiben wann beim jeweiligen Empfänger landen, wenn ich sie nicht selbst verteile oder ich sie zumindest vorab faxen kann.

Gestern Nachmittag wollte ich einen Schriftsatz an ein Amtsgericht faxen, zu dem ich nicht einfach mal kurz hinfahren kann, um meine Fristsachen loszuwerden. Dumm nur, dass augenscheinlich viele andere Kollegen dieselbe Idee hatten. Wir Anwälte faxen und im Moment dumm und dämlich.

Mein Fax ist so programmiert, dass es bei "Besetzt" im Abstand von fünf Minuten noch vier Mal automatisch das Empfängerfax anwählt. Pustekuchen. Ich habe das Fax nicht durchbekommen. Auf dem Sendebeleg fand ich nur den dolligen Vermerk



Occupied. Besetzt. Andauernd. 

Abends um kurz nach 11 habe ich es dann noch einmal probiert. Und siehe da: Es ging durch! Wenn auch nicht beim ersten Mal, sondern beim zweiten. Aber immerhin.

Man muss eben nur warten, bis die Kollegen schlafen...