Woody hat mich heute Morgen geweckt, und boshaft, wie er ist, hat er mich nicht annähernd ausschlafen lassen: Es war gerade einmal zwanzig nach 5. Und das an einem Sonntag!
Nein, Woody ist nicht meine bessere Hälfte. Woody ist der Buntspecht, der neuerdings hier bei uns wohnt. Leider ist Woody nicht nur boshaft (zumindest heute), sondern auch sehr scheu, wenn es darum geht, sich fotografieren zu lassen. Damit Sie sich ein Bild davon machen können, wovon wir hier reden, finden Sie hier statt eines Portraits des Originals ersatzweise das Wikipedia-Foto seines Cousins:
Woody sitzt gerne im Fliederbaum vor meinem Bürofenster. Und er verfügt - wie er heute Morgen ausreichend unter Beweis gestellt hat - über eine unglaubliche Ausdauer, wenn es darum geht, zu trommeln. Und zu trommeln. Und zu...
Während er da vor sich hintrommelte, kam bei mir eine Frage auf: Wenn ein Specht so heftige Kopfbewegungen in einer dermaßen kurzen Zeit bewältigen kann, warum bekommt er dann keine HWS-Distorsion, also kein Schleudertrauma? Oder ein Schädel-Hirn-Trauma? Oder wenigstens ordentliche Kopfschmerzen? Immerhin können Spechte ihre Schnäbel am Tag anscheinend bis zu 12.000 Mal gegen Holz schlagen.
(Ich finde, das ist eine durchaus berechtigte Frage.)
Wenn ich sehe, wieviele Menschen nach auch nach einem relativ geringen Aufprall, also z.B. auch schon nach einem leichten Auffahrunfall, Beschwerden haben, dann ist es doch eigentlich verwunderlich, dass Spechte nicht unter chronischen Schäden leiden.
Ich konnte nicht anders, ich hab's recherchiert. Und wikipedia hatte die Antwort:
"Zum einen ist das Gehirn der Spechte von besonders wenig Gehirnflüssigkeit umgeben: Ihr Gehirn sitzt also relativ starr im Schädel und wird durch die beim Klopfen entstehenden Schockwellen nicht von innen gegen die Schädeldecke geschleudert, wodurch eine Gehirnerschütterung vermieden wird. Ferner ist der Schädel von auffallend starken Muskeln umgeben, die als Stoßdämpfer dienen: Wie bei einem Boxer, der einen Schlag herannahen sieht, werden diese Muskeln kurz vor dem Aufprall gegen das Holz angespannt und absorbieren so einen Großteil der Energie. Außerdem wird die Klopfbewegung extrem geradlinig ausgeführt, gewissermaßen aus der Schulter heraus. Dadurch bleiben Hals und Kopf zueinander starr, und jede horizontale oder vertikale Drehung des Kopfes wird vermieden, so dass nur geringe Scherkräfte wirken können. Schließlich schließt ein Specht eine Millisekunde vor dem Aufprall die Augen, und schützt sie so vor umherfliegenden Holzspänen."
Ah ja, Frage geklärt. Es wäre doch praktisch, wenn das mit dem menschlichen Hirn genauso gelöst wäre, oder?
Vielleicht schon.
Aber andererseits würde mir das Vergnügen entgehen, mich mit den Kfz-Haftpflichtversicherungen über unsere naturgemäß etwas anderen Ansichten zu einem angemessenen Schmerzensgeld bei den entsprechenden (menschlichen) Verletzungen auszutauschen... Anwaltsdenken.
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