Es gibt Mandanten, die bei mir auf dem Hof fahren, aussteigen, ihren Kofferraum öffnen, sich einmal ausgiebig recken und strecken und dann mit einem vollgepackten Wäschekorb vor meiner Tür stehen.
Als Anwälte sind wir zwar manchmal gezwungen, schmutzige Wäsche zu waschen, aber Sie können sich ja denken, dass besagte Wäschekörbe (die dann im übrigen wieder möglichst schnell abgeladen werden) nicht gerade die getragenen Socken und Unterhosen der letzten zwei Wochen enthalten.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Statik von Aktenbergen gemacht?
Genau. Diese Wäschekörbe enthalten Papier. Viel Papier. Unsortiert. Und dann heißt es: "Ach Frau Schwentker, nehmen Sie sich doch einfach das, was Sie brauchen!"
Wenn das mal so einfach wäre. Um zu wissen, was ich brauche, müsste ich nämlich jedes Blatt Papier einzeln durchgucken. Also auch die Sachen, die überhaupt nicht brauche, weil sie nun so gar nichts mit der eigentlichen Sache zu tun haben. Ich habe in solchen Papierbergen auch schon Bedienungsanleitungen für elektronische Geräte gefunden, die der Mandant lange verschollen geglaubt hatte.
Ganz ehrlich, hätten Sie Lust darauf?
Sehen Sie, ich auch nicht.
Ich mache auch nicht gerne Ablage. Deshalb reicht mir die Arbeit mit meiner eigenen Papierwirtschaft auch durchaus aus.
Also bleibt mir nur, den Mandanten zwei Möglichkeiten zu lassen: Entweder sie nehmen den Wäschekorb samt Inhalt wieder mit und bringen mir kurz darauf die Unterlagen, die ich tatsächlich brauche, weil sie mit meinem Auftrag in direktem Zusammenhang stehen. Oder (die für den Mandanten noch unschönere Variante): Sie bezahlen mich dafür, dass ich die Sachen für sie ordne, und zwar zusätzlich zu meiner eigentlichen Arbeit.
Sie können sich denken, dass bisher noch nie jemand Möglichkeit zwei gewählt hat ;-)
(Nur um es noch einmal klarzustellen: Wir reden jetzt nicht davon, dass jemand einfach alle seine Unterlagen, die etwas mit der Sache zu tun haben, in einen Aktenordner packt. Das ist für mich völlig in Ordnung. Wir reden nur von dem Extremfall, wenn jemand meint, dass ein Anwalt gleichzeitig auch einen Aktensortier-Rundum-Sorglos-Service anbietet. Das kann nämlich keiner von uns Robenträgern leisten ;-).
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